Kapitel 48

Es wurde spät, bis wir nach Hause kamen. Yvette und Máté verzogen sich gleich in Yvette´s Zimmer. Ich lag noch lange wach und starrte auf das große Bild an der Wand. ‚Warum meldet sich Marcus bei mir nicht?‘, ging es mir durch den Kopf. Ich musste seine Stimme hören! So griff ich nach meinem Handy um ihn anzurufen. Aber wieder nur gleich die Mailbox. Aus Verzweiflung schleuderte ich mein Handy gegen die Wand. Ich hielt das nicht mehr aus. Von Marcus die ganze Zeit nichts zu hören machte mich fertig. Langsam machte ich mir Sorgen. Was ist, wenn ihm etwas zugestoßen ist? Bei diesem Gedanken hatte ich gleich Bilder von einem schwerverletzten Marcus in einem Krankenhaus vor mir. ‚STOPP!‘, schrie ich im Gedanken. Nur nicht verrückt machen. Da ich nicht schlafen konnte, stand ich wieder auf, zog mich an und beschloss wieder mal eine Nachtwanderung zu machen.

Diesmal ging ich zu Sternentänzer, um mir bei ihm Trost zu holen. Ich verbrachte die ganze Nacht bei ihm in der Box und musste wohl auch mal eingeschlafen sein.

 

Am nächsten Tag wurde ich von Tom, der mich in Sternentänzer´s Box fand, geweckt. Zuerst kannte ich mich nicht aus wo ich war, fand mich dann aber gleich zurecht. Tom sah mich sehr überrascht und zugleich besorgt an.

„Warum hast du hier übernachtet? Ist was passiert?“

„Ich hab es daheim nicht ausgehalten und wollte bei Sternentänzer Trost suchen. Die Übernachtung hier war aber nicht geplant.“

Da der besorgte Ausdruck aus Tom´s Gesicht noch nicht verschwunden ist, erklärte ich ihm noch, dass ich mir nur Sorgen machte, weil sich Marcus bei mir nicht meldete; es mir aber ansonsten gut ging. Dies schien Tom zu beruhigen und ich ging nach Hause.

Als ich bei der Türe reinkam, saßen Yvette und Máté gerade beim Frühstück. Beide blickten mich verdutzt an.

„Von wo kommst du denn her?“, fragte mich Yvette.

„Vom Stall.“, gab ich knapp zurück und ging ins Bad. Nach dem Duschen ging ich in mein Zimmer, um mir frische Klamotten zu holen. Mein Blick fiel auf mein Handy, das auf dem Boden lag. Es hatte meinen Wurf gegen die Wand nicht gut überstanden. Aber darüber machte ich mir jetzt keine großen Sorgen. Ich erwartete nicht, dass ich so schnell von Marcus etwas hören würde und ansonsten würde mich auch niemand anderes so schnell telefonisch benötigen. Also holte ich mir noch eine Tasse heißen Kaffee und fuhr dann wieder zum Stall, um zu arbeiten. Ich benötigte dringend Ablenkung.

Nach der Arbeit fuhr ich in die Mariahilfer Straße, um mir ein neues Handy zu besorgen. Danach beschloss ich noch ein wenig durch die Fußgängerzone zu schlendern.

Am Späten Nachmittag kam ich nach Hause. Dort hatten Yvette und Máté schon alles für eine kleine Silvesterparty vorbereitet. Yvette musterte mich mit einem besorgten Blick, aber ich reagierte nicht darauf. Mir war nicht nach reden zumute und außerdem wollte ich mich nicht schon wieder bei ihr wegen Marcus „ausweinen“. Sie sollte ihr Glück mit Máté und dem erwartenden Baby genießen. Also versuchte ich zu lächeln und es gelang mir.

 

So gegen 22 Uhr gingen wir drei ins Stylez. Dort wollten wir mit Freunden Silvester feiern und anschließend im ganz kleinen Kreise bei uns daheim.

Im Stylez war einiges los und ich ließ mich von der tollen Stimmung anstecken. Ich feierte und hatte mit den anderen Spaß. Plötzlich wurden mir von hinten mit Händen meine Augen verdeckt.

„He! Was soll das?“, fragte ich gut gelaunt. Aber ich bekam keine Antwort. Ich betastete die Hände und fragte gleichzeitig: „Wer hat mir mein Augenlicht genommen?“

„Rate mal!“, antwortete mir eine bekannte Stimme.

„Marcus?“, fragte ich vorsichtig und die Hände wurden mir von den Augen genommen. Ich drehte mich um und tatsächlich: Marcus stand mit einem Lächeln vor mir. Sofort fiel ich ihm um den Hals, schmiegte mein Gesicht an seine Schulter und musste hemmungslos weinen. Marcus drückte mich ganz fest an sich.

„Hey, ich war doch nur ein paar Tage weg.“

Ich löste mich aus seiner Umarmung sah nun in ein besorgtes Gesicht. Marcus strich mir sanft über mein tränenverschmiertes Gesicht.

„Was ist denn passiert?“, fragte er mich. Ich musste mich in meine Sorgen um Marcus mehr hineingesteigert haben, als ich dachte. Ich verspürte jetzt eine große Erleichterung, ihn wieder zu sehen und diese Erleichterung schien er mir auch anzumerken.

„Du hast dich seit deinem Anruf an Weihnachten nicht mehr gemeldet und warst auch nicht mehr erreichbar. Da habe ich mir Sorgen um dich gemacht!“ Sofort schloss mich Marcus wieder in seine Arme.

„Oh Elisabeth! Das wollte ich nicht, es tut mir leid!“

„Ich hatte am späten Abend alte Freunde getroffen und war beim Feiern etwas unachtsam. Mein Handy hat die Nacht nicht überlebt. Ich konnte nur diesen einen kurzen Anruf tätigen und dann war es vorbei.“

„Und du hast keine andere Möglichkeit gefunden, mich anzurufen?“

Jetzt wirkte Marcus verlegen. „Doch, aber…“

Pause.

„Aber was?“

„Naja… ich… ich weiß deine Nummer nicht auswendig.“ Entschuldigend blickte er mich an. Und bevor ich etwas sagen konnte, küsste er mich.

„Ich habe jeden Tag an dich gedacht und ich konnte kaum schlafen deswegen!“ Marcus erforschte mein Gesicht. „Kannst du mir je verzeihen?“ Marcus´ Blick war flehend und dann flüsterte er noch „Ich liebe dich!“

„Und ich liebe dich!“, antwortete ich, strich ihm zärtlich übers Gesicht und wir küssten uns.

Dann bemerkte ich die silberne Halskette mit dem etwas breiteren Kreuzanhänger um seinen Hals. Marcus trug mein Weihnachtsgeschenk. Diese Kette stand ihm wirklich gut; sie passte ihm. Sanft berührte ich den Anhänger an Marcus´ Brust. „Gefällt sie dir?“

Marcus nahm meine rechte Hand und küsste die Handfläche. „Ja, sie ist wunderschön.“

„Das Armband steht dir sehr gut. Gefällt es dir?“

„Ja, es ist wunderschön! Danke!“

Wieder küssten wir uns. Dann gesellten wir uns zu den anderen, um mit ihnen noch weiter zu feiern. Alle zusammen zählten wir den Countdown runter und um Punkt Mitternacht küssten sich Marcus und ich; erst zärtlich, dann leidenschaftlich. Ich war so froh, dass Marcus wieder da war!

 

Um halb eins verabschiedeten wir – Yvette, Máté, Marcus und ich – uns von den anderen und feierten gemütlich noch daheim ein wenig. Gegen zwei Uhr begaben wir uns dann ins Bett und Marcus und ich liebten uns leidenschaftlich.

Erst gegen Mittag wachten wir auf. Nach dem „Frühstück“ beschlossen wir in Marcus´ Wohnung zu fahren. Erstens musste Marcus noch auspacken und zweitens wollten wir ganz für uns allein sein…

Kommentar schreiben

Kommentare: 0