Kapitel 44

Tja, heute war Weihnachten und Marcus war nicht da. Aber deswegen ließ ich mich jetzt nicht runterziehen. Schließlich hatte der Tag heute ja schon gut angefangen; denn mir wurde von Yvette das Frühstück ans Bett gebracht.

Nachdem Yvette duschen war, wollte ich ins Bad gehen. Als ich die Türe aufmachte, war aber die Dusche schon besetzt. Mit einem leisen „ups“ schlich ich mich wieder aus dem Bad und wartete geduldig in meinem Zimmer. Währenddessen schaute ich auf mein Handy. Marcus hätte mich schon dreimal angerufen. Ich rief zurück, aber diesmal war er nicht erreichbar.

Endlich war das Bad frei. Serkan kam mit einem Badetuch um die Taille gewickelt raus. Bevor ich ins Bad ging, flüsterte ich ihm noch „Das nächste Mal solltest du die Türe abschließen!“, zwinkerte ihm zu und ging rein. Nachdem ich mit duschen fertig war, ging ich in mein Zimmer und überlegte, was ich denn heute anziehen könnte. Als ich in Unterwäsche meinen Kleiderschrank forschend anblickend davorstand, steckte Serkan seinen Kopf zur Tür rein.

„He!“ und ich hielt sofort mein Badetuch vor mich. Daraufhin kam Serkan rein.

„Was meintest du vorhin damit?“

Natürlich wusste ich, was er mit seiner Frage meinte, aber ich fragte trotzdem: „Womit?“

„Von wegen Türe absperren.“

„Naja, da ich nicht wusste, dass die Dusche bereits besetzt war, bin ich ahnungslos ins Bad getreten.“

„Und es bot sich mir kein schlechter Anblick!“, zwinkerte ich ihn schelmisch an. Daraufhin wurde Serkan rot im Gesicht und wollte wieder gehen.

„Warte! Wenn du schon hier bist, kannst du mir ja helfen.“

„Wobei?“, fragte mich Serkan frech und unterstrich diese Frage mit einem schelmischen Grinsen.“

„Bei der Auswahl meines Outfits. Ich weiß nicht, was ich heute anziehen soll.“

Serkan begab sich an meine Seite und sah ebenso forschend wie ich meinen Kleiderschrank an. Nach kurzer Zeit hatten wir für mich das Passende gefunden.

Als Serkan mir gerade bei meinem Kleid den Reisverschluss zuzog, steckte Yvette ihren Kopf zur Tür herein.

„Oha!“, und sie ging gleich wieder.

Serkan und ich kamen gemeinsam aus meinem Zimmer. Yvette und Máté grinsten blöd. Ich ging ins Bad und hörte, wie Serkan versuchte zu erklären, dass nichts war und ich musste grinsen. Ich wusste, dass Yvette und Máté ihn nur aufzogen. Schließlich lebte Serkan doch auch in einer Beziehung.

Obwohl Marcus nicht da war, hatte ich mich dennoch für heute besonders hübsch hergerichtet. Und es ist mir offensichtlich gelungen, denn als ich aus dem Bad kam, erhielt ich die Bestätigung dafür.

 

Später musste Serkan schon gehen. Er wollte noch nach Köln fliegen, um mit seiner Freundin gemeinsam Weihnachten zu feiern. Ja, ich beneidete Serkan´s Freundin darum. Sie verbrachte Weihnachten mit ihrem Partner, genauso wie Yvette mit Máté. Auch wenn Yvette´s Familie auch mit uns feierte und es so kein „Zweisamkeitsfest“ war; sie hatte dennoch Máté an ihrer Seite. Plötzlich fühlte ich mich doch ein bisschen einsam.

Yvette, Máté und ich begannen unseren Christbaum zu schmücken, da läutete es plötzlich. Yvette öffnete die Türe und Samuel kam herein. Wir waren über seinen Besuch sehr überrascht, freuten uns aber natürlich darüber. Samuel half beim Schmücken und wir hatten alle zusammen Spaß. Samuel blieb auch zum Mittagessen.

 

Am Nachmittag fuhr Yvette mit Máté zu ihren Eltern. Ich wollte nicht mit und fuhr stattdessen zum Stall, um Sternentänzer zu besuchen. Samuel begleitete mich.

Ich nahm Sternentänzer und ließ ihn ein paar Runden frei in der Reithalle galoppieren und rumtoben.

„Elisabeth, ich soll dir das hier von Marcus geben. Da er ja nicht da ist und es dir somit heute nicht persönlich geben kann, hat er mich darum gebeten, es für ihn zu tun.“ Samuel überreichte mir Marcus´ Weihnachtsgeschenk für mich.

„Danke.“ Ich bat Samuel es noch für mich zu halten, damit ich Sternentänzer versorgen konnte. Danach trennten sich wieder unsere Wege. Samuel fuhr heim und ich fuhr mit Marcus´ Geschenk in der Hand, ebenfalls nach Hause. Zuhause angekommen, legte ich erst mal das Geschenk in meinem Zimmer zur Seite und richtete alles für die Bescherung her. Yvette hatte angekündigt, dass sie ihre Geschwister mitnimmt.

 

Da waren sie auch schon. Sie waren alle aufgeregt und hatten glänzende Augen. Das zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht.

Die Bescherung machten wir so gegen 19 Uhr. Danach spielte ich mit Yvette´s Geschwistern. Die kleinen durften heute länger aufbleiben und wurden erst spät von ihren Eltern abgeholt.

Kurz vor Mitternacht wünschte ich Yvette und Máté eine Gute Nacht und ging in mein Zimmer. Mein Blick fiel auf Marcus Geschenk, das immer noch ungeöffnet auf meinem Nachtkästchen stand. Ich nahm es in die Hand und setzte mich damit auf mein Bett. Gerade wollte ich es öffnen, als mein Handy klingelte. Es war Marcus. Er schien gerade mit seinen Freunden zu feiern, denn ich hörte im Hintergrund extrem laute Musik und verstand beinahe kein Wort, von dem was er sprach. Nur so viel, ob ich sein Geschenk erhalten hatte und ob es mir gefiele. Das war´s; die Verbindung brach ab. Tränen füllten meine Augen und ich fühlte mich so unendlich alleine. Ich ließ Marcus´ Geschenk ungeöffnet und mein Handy zu Boden fallen, stand auf und schlich mich aus der Wohnung. Wieder einmal wanderte ich ziellos durch die Gegend.

Warum nur hatte ich das Gefühl, von Marcus in Stich gelassen worden zu sein? Mir schossen viele Gedanken und durch den Kopf und diverse Gefühle auf einmal schienen mich erdrücken zu wollen. Was machte ich falsch? Was missverstand ich? War ich einfach nur eine egoistische, eifersüchtige Frau? War es falsch, dass ich Marcus und mir eine zweite Chance gegeben hatte? Oder ging ich zu wenig auf ihn ein? …

 

Es war bestimmt schon drei Uhr morgens, als ich irgendwie vorm Stephansdom stand…

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