Kapitel 42

Heute war Freitag und mein Geburtstag. Im Stall hatten alle daran gedacht und gratulierten mir. Tom überreichte mir sogar ein kleines Geschenk. Es war ein kleiner Pferdekopf als Schlüsselanhänger.

„Oh, danke Tom!“ Ich freute mich sehr über dieses Geschenk.

Nach der Arbeit holte ich Sternentänzer, putzte ihn, sattelte ihn und ritt mit ihm aus. Als ich nach zwei Stunden wieder mit Sternentänzer zum Stall kam, wurde ich bereits von Marcus erwartet.

„Hallo mein Geburtstagskind!“, begrüßte er mich mit einem Lächeln.

„Hallo Marcus!“

Mit den Worten „Happy Birthday!“ übergab er mir eine gelbe Rose.

„Danke!“

Ich wollte gerade Sternentänzer in den Stall führen, da nahm mir Tom mit „Mach dir noch einen schönen Geburtstag!“ die Zügel aus der Hand.

„Danke Tom!“

Marcus lud mich zu sich nach Hause ein und kochte für uns. Er hatte im Vorfeld schon alles vorbereitet. Es war romantisch! Kerzen und rote Rosen standen am Tisch und nun wurde auch noch schöne Musik aufgelegt. Nach dem Essen entführte mich Marcus wieder nach draußen. Der Weg kam mir bekannt vor und ehe ich mich versah, waren wir auch schon an „Marcus´ Plätzchen“, das er mir vor kurzem gezeigt hatte.

Da überreichte mir Marcus ein etwas größeres „Päckchen“. Ich packte es sofort aus und als ich den Inhalt sah, füllten sich meine Augen mit Tränen. Sein Geschenk war eine schwarzweiße Großaufnahme unserer Gesichter, während wir uns küssten. Er hatte es von dem Bild, welches wir damals von den Schülern geschenkt bekommen hatten, von einem professionellen Fotografen machen lassen. Ein Chromrahmen verlieh diesem Bild zusätzlich einen besonderen Zauber.

„Ich habe mir gedacht, dass ich dir damit vielleicht etwas Besonderes schenke, da dieses Bild doch einen der schönsten Momente unserer Beziehung festhält.“, sagt er etwas unsicher.

Marcus hatte mir damit eine große Freude gemacht! Sachte legte ich das Bild auf den Boden und umarmte Marcus. Nun konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie liefen mir übers Gesicht und ich drückte es an Marcus´ Hals. Marcus strich mir zärtlich über meinen Kopf. Als ich mich wieder gefangen hatte, nahm ich sein Gesicht in meine Hände und küsste ihn sanft. Marcus erwiderte diesen Kuss ebenso sanft. Dabei wurde mir bewusst, wie sehr ich seine Küsse vermisst hatte.

Marcus und ich machten uns noch einen schönen Nachmittag. Am Abend brachte er mich nach Hause und verabschiedete sich dann mit einem Kuss von mir. Marcus musste heute spielen.

Zuhause angekommen, hängte ich sofort Marcus´ Geschenk an der Wand über meinem Bett auf.

 

Am nächsten Tag musste ich arbeiten und nach der Arbeit machte ich mich gleich auf den Nachhauseweg. Auf meinem Bett lag ein Geschenk; es war von Yvette. Ich hatte damit eine riesengroße Freude und bedankte mich per SMS bei ihr. Ich legte mir eine CD ein und hörte sie mir auf dem Bett liegend an. Das große Bild betrachtend, versuchte ich zwischendurch Marcus telefonisch zu erreichen; aber er ging nicht ran.

Plötzlich läutete es. Samuel stand vor der Türe. Er machte einen völlig fertigen Eindruck und roch nach Alkohol. Auch bemerkte ich, dass er Nasenbluten hatte. Ich ließ ihn eintreten und ging mit ihm – in stützend – ins Wohnzimmer. Ich verfrachtete Samuel auf die Couch und da bemerkte ich, dass auch auf seiner Stirn Blut war. Sofort holte ich Taschentücher, etwas zum Desinfizieren, Mulltupfer und Pflaster aus unserem Medizinschrank.

Samuel´s Nasenbluten war schnell gestillt. Während ich mich um seine Wunde am Kopf kümmerte, erklärte er mir, wie er sich diese Wunde hinzugezogen hatte. Nachdem Samuel mit seiner Erklärung fertig war, fing er plötzlich an zu weinen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Ich strich ihm tröstend über den Kopf, da drehte er sich um und fiel mir um den Hals. Als ich gerade meine Arme tröstend um ihn legte, kam Yvette nach Hause.

„Was ist denn hier los?“, fragte Yvette und schreckte damit Samuel hoch. Sofort löste er sich aus meiner Umarmung und ging zu Yvette, um ihr die Tüten aus der Hand zu nehmen. Ich half Yvette die Sachen zu verstauen. Samuel sah uns eine Weile zu, wollte dann aufstehen um nach Hause zu gehen, musste sich aber gleich wieder setzen. Ich warf ihm besorgte Blicke zu.

„Du solltest dich in einem Krankenhaus untersuchen lassen!“ Samuel wollte nicht. Aber er hatte nichts einzuwenden, als ich ihm anbot, ihn dann wenigstens nach Hause zu begleiten.

Während des Weges kam uns Marcus entgegen und half mir Samuel nach Hause zu bringen. Wir versicherten uns noch, ob wir ihn auch wirklich alleine lassen konnten und gingen dann.

 

Marcus und ich verbrachten jetzt wundervolle Tage miteinander. Marcus zeigte seine Liebe zu mir jetzt auch öffentlich; er zeigte keine Scheu mehr davor, dass wir uns immer küssten, wenn uns danach war. Die Tage mit ihm strichen nur so dahin und bald stand Yvette´s Geburtstag vor der Türe.

Am Abend vor Yvette´s Geburtstag musste Marcus wieder spielen und ich nutzte diese Gelegenheit, um ein Weihnachtsgeschenk für Marcus zu kaufen. Für Yvette hatte ich das Geburtstagsgeschenk schon. Die Idee dafür war zwar nicht originell – da ich sie ja irgendwie von Marcus abgekupfert hatte, aber mir hatte sie gefallen.

Máté hatte mir dabei geholfen. Gemeinsam suchten wir von ihm die schönsten Fotos raus. Wir entschieden uns für ein Foto, wo Máté mit nacktem Oberkörper zu sehen war – dieses war im Urlaub entstanden – und ein paar Fotos, wo Máté mit seinem wunderschönen Lächeln drauf war. Diese Fotos brachten wir zu einem Fotografen und ließen sie zu einem gesamten Foto in schwarzweiß zusammenstellen. Das ganze wurde dann noch mit einem Silberrahmen perfektioniert.

 

Am Vormittag gingen Yvette, Máté, Marcus und ich auf den Christkindlmarkt. Gemeinsam schlenderten wir durch und als uns dann kalt wurde, tranken wir alle einen „Autofahrerpunsch“ und unterhielten uns.

„Hey ihr zwei! Habt ihr euch schon ausgemach, wie ihr morgen Weihnachten feiert? Meine Eltern und Geschwister kommen zu uns. Hättet ihr nicht Lust, auch mit uns zu feiern? Oder wollt ihr lieber alleine sein? – wollte Yvette von Marcus und mir wissen. Darüber hatten Marcus und ich eigentlich noch gar nicht gesprochen. Erwartungsvoll sah ich Marcus an.

„Ich fliege morgen Früh nach Hause zu meinen Eltern.“

‚BUMM!‘ Diese Aussage hatte mich erst mal wie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Ehrlich gesagt, hatte ich gehofft, dass Marcus Weihnachten mit mir feiern würde. Ursprünglich wollte ich dieses Jahr auch Weihnachten bei meinen Eltern verbringen, aber als es dann zwischen Marcus und mir doch wieder klappte, hatte ich ihnen wieder abgesagt. Und sie verstanden es auch.

„Das heißt also, es gibt für uns kein gemeinsames Weihnachtsfest!?“

„Es tut mir leid. Ich hatte … naja … nicht damit gerechnet, dass du mir bzw. uns tatsächlich nochmal eine Chance gibst und ich wollte meinen Eltern so kurzfristig nicht mehr absagen.“

„Ich habe es getan…“

„Was?“

„Ich habe meinen Eltern noch „so kurzfristig“ abgesagt.“

„Elisabeth, ich wollte sie einfach nicht enttäuschen. Sie freuen sich schon so sehr darauf! Und ich auch…“

„Okay…“, antwortete ich erst mal nur und schluckte. Eigentlich sollte ich es einsehen… Durch seinen Beruf bekam Marcus seine Eltern schließlich kaum zu Gesicht und seinen ganzen Sommerurlaub hatte er ja auch mit mir verbracht. Aber im Moment war ich einfach zu enttäuscht, um dafür Verständnis zu haben. Zu sehr hatte ich mir ein gemeinsames Weihnachten mit Marcus gewünscht…

„Dann wünsche ich dir schöne Weihnachten!“, warf ich ihm beleidigt diese Worte hin und wandte mich von ihm weg. Ich entschuldigte mich bei Yvette und ging.

Auf dem Weg nach Hause rannen mir aus Enttäuschung die Tränen über mein Gesicht. Gleichzeitig fühlte ich mich auch schlecht, weil ich Marcus vorwarf, seine Eltern besuchen zu wollen…

Zu Hause angekommen, holte ich das Weihnachtsgeschenk für Marcus, welches ich schon liebevoll eingepackt hatte und legte es ihm vor seine Wohnungstüre.

Dann ging ich wieder nach Hause und richtete dort alles für Yvette´s Geburtstagsfeier her.

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