Kapitel 40

Yvette und Máté vertrugen sich wieder und waren wieder glücklich.

Und ich? Zugegeben ich war auf die beiden etwas neidisch…

Ich fühlte mich allein; hatte niemanden, der mit mir kuschelte, mich in den Arm nahm und mich zärtlich anlächelte. Die Trennung von Marcus tat mir immer noch weh; der Schmerz war an zu vielen Tagen kaum auszuhalten; besonders, wenn ich abends allein in meinem Bett lag, vermisste ich seine Nähe…

Ich musste mir eingestehen, dass ich Marcus einfach immer noch liebte. Jedes Mal, wenn ich ihn irgendwo sah, machte mein Herz einen Luftsprung. Gleichzeitig aber gab es mir auch einen Stich.

In Pullman City konnte ich Marcus erfolgreich vergessen, aber hier in Wien verging beinahe kein Tag, an dem ich nicht an ihn dachte. Vielleicht verrückt, aber ich musste mit ihm reden!

 

So beschloss ich heute nach der Arbeit zum Naschmarkt zu gehen.

„Heute darfst du dich ausruhen, Sternentänzer.“

Ich pflegte und versorgte Sternentänzer heute nur und ließ ihn in der Box. Er dankte es mir, denn in letzter Zeit hatte ich viel mit ihm gearbeitet.

Dann machte ich mich auf den Weg und schlenderte, in der Hoffnung Marcus zu treffen, durch den Naschmarkt. Als ich nach einer dreiviertel Stunde die Hoffnung schon aufgegeben hatte, kam er mir entgegen. Und mein Herz machte einen Luftsprung; ich war leicht nervös. Wir beide blieben stehen und sahen uns einfach nur an. Dann kam Marcus vorsichtig auf mich zu und begrüßte mich. „Hallo Elisabeth!“.

„Hallo Marcus!“

„Darf ich dich auf ein Getränk oder Essen einladen?“

Ich nickte „Essen klingt gut.“ Und so gingen wir chinesisch essen. Während des Essens schwiegen wir. Nachdem die Teller abgeräumt waren, ergriff Marcus das Wort.

„Elisabeth, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denken muss! Ich vermisse dich so sehr!!“

Nervös spielte ich mit meinem Glas und gestand Marcus, dass es mir genauso ging.

„Ich vermisse dich auch. Und… ich liebe dich immer noch. Deshalb habe ich nachgedacht und möchte uns beiden nochmal eine Chance geben.“

Marcus sah mich hoffnungsvoll an.

„Aber wir müssen etwas ändern. Lass uns beide mehr aufeinander eingehen. Ich werde weiter meinen Vorschlag – ‚mit der Liebe in der Öffentlichkeit zurückalten‘ – beachten und dich nach den Vorstellungen nicht vom Theater abholen. Dich bitte ich zu versuchen, wenigstens ein bisschen mein Interesse an Pferden, sprich meine Arbeit oder meine Beschäftigung mit Sternentänzer zu respektieren. Ich verlange nicht von dir, dass du für mich das Reiten lernen oder mir stundenlang bei der Arbeit mit Sternentänzer zusehen musst. Aber ich würde mich freuen, wenn du mich hin und wieder vom Stall abholen würdest.“

Marcus versprach mir, sich mehr an mein Interesse zu beteiligen und so beschlossen wir, einen Neuanfang zu starten. Wir wollten ganz von vorne beginnen.

Nach diesem Gespräch gingen wir noch auf einen Kaffee und redeten auch dabei noch lange miteinander. Danach trennten sich unsere Wege und ich ging nach Hause. Ich fühlte mich, als wäre ein Teil einer erdrückenden Last von mir gefallen; ich fühlte mich wieder um einiges besser.

Marcus und ich trafen uns fast täglich. Wir redeten viel und lernten uns neu kennen.

Von den Treffen mit Marcus und von der zweiten Chance, die ich uns geben wollte, erzählte ich Yvette nichts.

 

Heute war Samstag und Máté hatte mit seiner Band [X_PACT] ein Konzert im Aera. Den ganzen Tag lang war ich schon etwas aufgeregt.

Endlich war es Abend und Yvette und ich machten uns auf den Weg. Dort angekommen, wurde Yvette schon von ihren Studienkolleginnen erwartet. Ich ließ Yvette mit ihnen alleine und machte mich auf die Suche nach einer ganz bestimmten Person. Da sah ich ihn auch schon.

„Hey Marcus!“ Marcus drehte sich um und kam mir mit einem wunderschönen Lächeln entgegen. Er hatte schon Ausschau nach mir gehalten. Ich nahm Marcus bei der Hand und zog ihn mit zu Yvette. Ihm war nicht ganz wohl dabei. Yvette machte auch keinen erfreuten Eindruck darüber, dass ich Marcus – ohne ein Wort davon zu sagen – eingeladen hatte. Aber sie sagte auch nichts dagegen.

Das Konzert war großartig! Marcus und ich tanzten dazu. Und ich genoss seine Nähe!

Nach dem Konzert gingen wir noch etwas trinken. Máté´s „Jungs“ blieben auch noch etwas, aber nicht allzu lange und verließen uns bald wieder. Wir blieben länger.

Máté schloss Yvette schützend in seine Arme und die beiden waren zärtlich zueinander. Marcus wollte mich nicht durch „falsche“ Gesten „verschrecken“ und nahm so „nur“ meine Hand ganz sanft und strich mit seinem Daumen über meinen Handrücken.

Als wir dann alle schon müde wurden, fuhren wir nach Hause. Marcus begleitete uns noch bis zur Haustüre, verabschiedete sich von uns und fuhr dann in seine Wohnung.

 

Inzwischen war schon bald Ende November. Marcus holte mich oft von der Arbeit ab und schaute mir auch manchmal bei der Arbeit mit Sternentänzer zu. Hin und wieder half er mir auch bei Sternentänzer´s Pflege oder nahm mir Sattel und Zaumzeug ab. Er war wie ausgewechselt.

Auch heute holte mich Marcus von der Arbeit ab und half mir auch. Nachdem wir fertig waren, nahm Marcus mich plötzlich bei der Hand und ging mit mir spazieren. Er schien gezielt zu einem bestimmten Ort zu wollen. Und da waren wir. Marcus zeigte mir einen Platz, den er für sich entdeckt hatte.

„Hierher komme ich immer, wenn ich nachdenken muss oder einfach nur abschalten möchte. In letzter Zeit war ich oft hier und stellte mir manchmal vor, wie schön es wäre, wenn wir gemeinsam hier sein könnten.“

Es war ein schönes Plätzchen; etwas abgelegen. Es gefiel mir.

„Elisabeth?“

„Hm?“

„Du hast doch bald Geburtstag!?“

„Ja…“

„Was wünscht du dir von mir?“

Ich sah Marcus ganz überrascht an; aber mir fiel sofort ein, was ich von ihm wollte.

„Dich! Ich möchte einfach nur mit dir einen schönen Tag verbringen!“

Marcus schlang zärtlich seine Arme um mich und wir standen noch lange so da…

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