Kapitel 38

Máté sprang auf und rannte Yvette nach. Yvette war schwanger und keiner hatte davon, davor etwas gewusst oder geahnt. Ich freute mich für die beiden! Ich konnte mir Máté gut als Vater vorstellen; ebenso Yvette als Mutter.

Es vergingen Minuten und die beiden waren immer noch nicht zurück. So langsam machte ich mir Sorgen und ging in der Wohnung nervös hin und her. Dann blieb ich vorm Fenster stehen und sah Yvette versteckt im Innenhof knien. Sofort rannte ich zu ihr runter und musste auch noch feststellen, dass Máté gar nicht bei ihr war.

„Komm Yvette, lass uns wieder reingehen.“

Yvette gab mir ihre Hand und wir beide gingen zurück in die Wohnung. Ich machte uns Tee und wir setzten uns dann mit dem Tee ins Wohnzimmer. Yvette saß fassungslos da und starrte vor sich hin. Sie wusste nicht, ob sie es glauben sollte oder nicht.

„Sissy, wer sagt denn, dass es stimmt?“, fragte sie mich mit zittriger Stimme.

„Lass dich nochmal von deinem eigenen Frauenarzt untersuchen; dann hast du bestimmt Gewissheit!“

Yvette vereinbarte mit ihrem Arzt einen Termin; sie konnte noch einen für zwei Tage später bekommen. Yvette bat mich darum, sie zu ihrem Termin zu begleiten.

Nach dem Telefonat und ihrer Bitte, saßen wir noch eine Zeitlang schweigend auf der Couch. Dann plötzlich begann Yvette mir von ihrem Traum zu erzählen.

„Vielleicht hast du da schon vorausgesehen, dass ich beide Eltern werdet!?“ – Yvette konnte das nun nicht glauben.

Als wir beide unseren Tee ausgetrunken hatten, ging Yvette völlig fertig ins Bett. Eine Stunde später kam Máté bei der Türe rein. Er wirkte seltsam…

„Hier hast du den Schlüssel zurück und sage Yvette, dass ich jetzt nicht mehr hier schlafen werde. Ich muss jetzt einiges erledigen.“

„Máté?“

Er reagierte darauf nicht und ging einfach wieder. Sein Verhalten gefiel mir nicht; ich machte mir Sorgen.

 

Am nächsten Tag ging es Yvette nicht besser und Máté konnte sie auch nicht erreichen. Gerade jetzt brauchte sie ihn doch so nötig…

Dass Máté sich bei ihr den ganzen Tag nicht meldete, machte ihr sehr zu schaffen.

 

Heute war Yvette´s Termin beim Frauenarzt. Als ich aufstand, war Yvette schon auf und starrte aus dem Fenster. Sie sah nicht gut aus und auf mein „Guten Morgen.“ reagierte sie auch nicht.

Nach dem Duschen machte ich Kaffee. Yvette stand noch immer bei Fenster. „Komm Yvette, frühstücke doch bitte etwas.“ Yvette schüttelte den Kopf.

Ich machte mir nur schnell zwei Scheiben Toastmit Margarine drauf, danach gingen wir zu ihrem Frauenarzt. Nervös saßen wir beide im Wartezimmer und Yvette wurde etwas blass um die Nase. Zum Glück mussten wir nicht lange warten und sie wurde bald aufgerufen.

„Sissy?“

„Ja?“

„Kommst du mit rein? Bitte!“ Ich nahm sie bei der Hand und ging mit ihr rein.

Die Untersuchung dauerte nicht lange.

„Frau Káros, ich gratuliere! Sie sind schwanger.“

Somit wurde ihr ihre Schwangerschaft bestätigt und einen Augenblick später hatte sie es auch schwarz auf weiß. Der Frauenarzt stellte ihr sofort einen Mutter-Kind-Pass aus. Es wurden dann auch noch weitere Untersuchungstermine vereinbart.

Yvette schien wie in Trance und nahm ihre Umwelt im Moment kaum war. Gut, dass ich sie begleitet hatte. So brachte ich sie stützend nach Hause. Dass sich Máté seit der Schlüsselabgabe bei ihr nicht mehr gemeldet hatte, mache das Ganze für sie nicht leichter. Zuhause angekommen machte ich Yvette einen Tee. Währenddessen versuchte sie wieder mal Máté zu erreichen. Diesmal schien er auch endlich ans Telefon zu gehen; aber er schien kurz angebunden gewesen zu sein, denn das Telefonat dauerte nicht lange. Yvette war den Tränen nahe. Máté hatte sie abblitzen lassen.

„Er hat so vieles vor.“, wiederholte sie mit bebender Stimme seine Worte. Sofort schloss ich meine Arme um Yvette. Ich dachte nach…

„Kommst du für einen Moment alleine klar?“

Sie blickte mich fragend an.

„Ich möchte gerne etwas Erledigen.“ Yvette nickte und so brachte ihr noch den Tee und ging dann. Ich machte mich auf die Suche nach Máté. Die beiden mussten einfach nochmal miteinander reden. Und ich wollte Yvette helfen. Ich war ihr das schuldig. Sie hatte mir mit Marcus schon so oft geholfen und war für mich da, wenn ich sie brauchte. Jetzt war ich dran, ihr zu helfen und für sie da zu sein!

Zuerst schaute ich bei Máté´s Wohnung vorbei. Er schien nicht da zu sein. Also versuchte es ich beim Theater an der Wien, aber da war er auch nicht anzutreffen. Und im Theater-Cáfé auch nicht. Hm… wo könnte er noch sein? Ich probiertes am Naschmarkt. Aber nachdem ich ihn zweimal auf und ab gegangen war und Máté nirgends entdecken konnte, schwand meine Hoffnung langsam. Ich wollte schon fast aufgeben, als mir dann noch das Stylez einfiel. Und tatsächlich! Da saß er mit Samuel, Steve und… Marcus. Ich atmete tief durch, ging dann fest entschlossen rein und baute mich vor Máté auf. Marcus wollte etwas sagen, aber ich wehrte sofort hab und er ließ es.

„So, Mr. Kamarás! Was fällt dir ein, Yvette so im Stich zu lassen?“

„Wieso im Stich? Mich fragt ja auch keiner, wie es mir dabei geht!“, antwortete er mir mit lauter Stimme. „Erst muss ich es vier Wochen ohne sie aushalten und jetzt das…“ Bei diesen Worten dachte ich nur ‚Wow! Jetzt hat er komplett ein Rad ab!‘

„Du hörst mir jetzt gut zu, Máté! Du hattest zwei Tage Zeit, darüber nachzudenken. Und Yvette ergeht es nicht anders als dir. Gerade jetzt braucht sie dich!“

„Nein, versuch mir nicht zu widersprechen und hör mir weiter zu!“, schimpfte ich, da Máté gerade den Mund öffnete um etwas zu sagen.

„Yvette´s Schwangerschaft betrifft euch beide. Geh zu ihr; rede mit ihr! Äußere ihr gegenüber deine Bedenken, Zweifel oder andere Gedanken die dich plagen. Lass sie jetzt nicht allein und hilf ihr.“

„Bitte!“, flehte ich noch, bevor ich mich Richtung Tür wandte. Marcus ignorierend, der Anstalten machte mich aufzuhalten, ging ich.

 

Mit den Gedanken ‚Hoffentlich denkt Máté über alles nach und redete mit Yvette!‘ ging ich nach Hause. Yvette war auf der Couch eingeschlafen. Ich holte eine Decke, um sie damit zuzudecken. Da sah ich einen langen Brief am Tisch liegen. Yvette hatte anscheinend ihre Gedanken an Máté niedergeschrieben…

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