Kapitel 32

Nachdem ich mit Tom den neuen Dienstplan besprochen hatte, ging ich zum Stall. Als ich hörte, dass Marcus Sternentänzer versorgt hatte, war ich überrascht.

Danach machten sich Marcus und ich in die Wohnung von Yvette und mir. Yvette und Máté „befahl“ ich, woanders hinzugehen, da ich ja heute mit Wohnungsputzen dran war. Marcus erklärte sich bereit dazu, mir zu helfen. Marcus sparte heute offensichtlich nicht mit Überraschungen.

Während des Putzes hatten Marcus und ich auch unseren Spaß.

Als wir völlig verschwitzt die ganzen Putzsachen wieder verräumt hatten, blitzte die Wohnung wieder. Ich schickte Marcus zuerst unter die Dusche, danach stellte ich mich drunter. Marcus und ich hatten fast den ganzen Tag für die Reinigung gebraucht und wir waren doch ein bisschen erschöpft. Also machten wir es uns auf der Couch vorm Fernseher gemütlich und guckten aneinander gekuschelt fern. Spät am Abend dann gingen Marcus und ich ins Bett. Von Yvette und Máté sahen wir nichts mehr.

 

Am nächsten Morgen musste Marcus nach dem Frühstück gleich in seine Wohnung, um seine Trainingsklamotten zu holen. Bei ihm gingen wieder die Proben los. Bald stand die Premiere von „Romeo & Julia“ vor der Türe. Dementsprechend sahen sich Marcus und ich wieder weniger. Ich nutzte diese Zeit, um wieder mit Sternentänzer etwas Dressur zu machen. Außerdem musste ich ja auch wieder arbeiten.

 

Die Nacht vor der Premiere schlief ich bei Marcus. Genau wie damals vor seinem Auftritt beim Donauinselfest war Marcus auch an diesem Abend doch sehr nervös. Er wollte lange nicht ins Bett gehen. So machte ich uns Tee und wir unterhielten uns. Nach Mitternacht schlug ich Marcus eine kalte Dusche vor. Trotzdem konnte er lange nicht einschlafen; wälzte sich unruhig hin und her, dann stand er wieder auf und sah aus dem Fenster.

Marcus brauchte seinen Schlaf und ich konnte mir seine Nervosität nicht länger mit ansehen. Also stand ich auf, ging zu ihm und begann wie damals sanft seine Schultern zu massieren. Marcus entspannte sich. Wir begaben uns aufs Bett und ich begann mit einer Ganzkörpermassage, bis Marcus endlich eingeschlafen war.

Als ich am Morgen aufwachte, war das Bett neben mir schon leer. Sofort stand ich auf, aber statt Marcus fand ich eine Nachricht auf dem Küchentisch vor: „Guten Morgen mein Schatz! Sei nicht böse, dass ich schon fort bin, aber ich muss noch etwas erledigen. Wir sehen uns heute Abend, noch vor der Aufführung beim Bühneneingang. Ich liebe dich! Marcus“

Ich zog mich an und ging. Gefrühstückt wurde auswärts. Danach machte ich einen Sprung zu Sternentänzer. Nach der Versorgung brachte ich ihn auf die Weide und dann ging ich nach Hause. Die Wohnung war leer; keiner da. ‚Hm…‘ Ich sollte mir über mein Outfit für die Premiere Gedanken machen. Also wurde mein Kleiderschrank inspiziert und ich stand eine Ewigkeit davor. Aber ich konnte nichts Brauchbares finden; also hieß es shoppen gehen.

Es wurde vieles probiert, aber nichts schien mir richtig für den heutigen Anlass. Dann sah ich ein Figur betontes, rotes Trägerkleid. Eigentlich ist rot nicht meine Farbe, aber da Marcus einen Capulet spielte, könnte ich mich bei der Premiere farblich ruhig anpassen. Ich probierte es und entschied mich dafür es zu kaufen.

So; nun nach Hause und für die Premiere fertig machen. Duschen, Make-upauftragen und das Kleid anziehen. Ich stand noch lange vor dem Spiegel und betrachtete mich. ‚Was Marcus zu meinem Outfit sagen wird?‘ Dieser Gedanke machte mich ein wenig nervös…

 

Beim Raimundtheater angekommen, ging es zum Bühneneingang. Dieser war von vielen Fans umlagert. Ich ging rein. Yvette und Máté standen schon bei Marcus in der Garderobe und unterhielten sich mit ihm. Marcus hatte schon sein Kostüm an und sah darin verdammt gut aus! Marcus kam mir mit einem Lächeln entgegen und wir küssten uns. „Du bist wunderschön!“, flüsterte er mir noch ins Ohr. Dann überreichte ich Máté mein Geburtstagsgeschenk. Bevor Máté, Yvette und ich uns in den Zuschauerraum aufmachten, küsste ich Marcus nochmal.

Wir drei saßen natürlich in der ersten Reihe. Es war auch viel Prominenz anwesend. Aber ich hatte nur Augen für „meinen Tybalt“.

Nach der Vorstellung ging es zum Ronacher, wo die Premierenfeier stattfand. Ich fuhr mit Yvette und Máté mit. Marcus fuhr mit den anderen Darstellern – die geschlossen hinfuhren – mit. Im Ronacher angekommen, seilte ich mich von den beiden ab, um mich auf die Suche nach Marcus zu machen. Aber er war unauffindbar. So beschloss ich mir etwas zum Trinken zu holen und hielt dann weiterhin Ausschau nach ihm.

„Hey Capuletti!“, hörte ich eine bekannte Stimme hinter mir. Es war Samuel, der mich wohl wegen meines Kleides so ansprach.

„Hallo Samuel. Ich gratuliere zur gelungenen Vorstellung!“

„Danke!“

„Weißt du, wo dein ‚Erzfeind‘ steckt?“

„Der unterhält sich mit seinem anderen ‚Feind‘ – Steve.“ Samuel deutete mir die Richtung, in die ich mich dann auch bewegte.

Tatsächlich! Marcus unterhielt sich mit seinem besten Freund Steve. Als ich auf die beiden zuging und Marcus gerade ansprechen wollte, tauchte die Intendantin; Kathrin Zechner auf und verschwand mit ihnen. Wieder wurde mir Marcus entführt. Etwas niedergeschlagen suchte ich mir einen Sitzplatz. Da kam mir Samuel entgegen. Er bemerkte meine Niedergeschlagenheit und opferte sich für mich als Gesprächspartner. Wir unterhielten uns stundenlang über Gott und die Welt.

Langsam wurde ich müde und so gab ich die Hoffnung, Marcus irgendwann mal hier zu treffen auf und verabschiedete mich von Samuel. Auf dem Weg zur Tür fragte ich mich, warum sich Marcus die ganze Zeit bei mir nicht blicken ließ und mich überfiel ein Gefühl der Traurigkeit.

Als ich zur Tür raus bin, sprach mich plötzlich Marcus von hinten an: „Elisabeth, warte! Wo gehst du hin?“ Ich drehte mich zu ihm um und antwortete: „Nach Hause.“

„Bitte bleib noch.“ Mit diesen Worten kam er auf mich zu und nahm meine Hand.

„Wozu? Du hast doch eh keine Zeit für mich.“

„Doch…“

„Ich bin müde.“, unterbrach ich ihn und entzog ihm meine Hand. Plötzlich packte er mich und küsste mich.

„Noch immer müde?“, grinste er.

„Was soll das?“

„Ach komm schon! Du bist doch nur beleidigt, weil ich dich nicht da drin…“ – Marcus zeigte zum Ronacher – „…geküsst habe und somit nicht in aller Öffentlichkeit meine Liebe zu dir gezeigt habe!“ Bei diesen Worten staunte ich nicht schlecht.

„Zugegeben; es hätte mich gefreut, wenn du mir da drin…“ – und ich zeigte ebenfalls auf das Gebäude – „…geküsst hättest und mich sicher auch mit Stolz erfüllt. Aber nein, das ist es nicht. Schließlich habe ich dir damals vorgeschlagen, dass wir uns wegen der Drohung mit unserer Liebe in der Öffentlichkeit zurückhalten! Ich hätte dir einfach nur gerne zu deiner tollen Vorstellung gratuliert.“ Und nun ließ ich meinen verletzten Gefühlen freien Lauf. „Aber weißt du was. Ich habe stattdessen Samuel als erstes gratuliert! Denn er hatte Zeit für mich!“

Diese Worte hatten Marcus tief getroffen. Er schluckte, ballte seine Hände zu Fäusten und seine Kiefermuskeln spannten sich an. Dann schloss er kurz seine Augen und atmete tief durch.

„Dann solltest du wohl mit ihm eine Beziehung führen, anstatt mit mir!“, flüsterte er.

Ich schüttelte nur den Kopf. „Nein Marcus. Aber lassen wir es.“

Erschrocken sah er mich an. „Was meinst du damit?“

„Es ist aus, Marcus.“

„Nein! …“

Ich drehte mich einfach um und ging. Meine Augen hatten sich inzwischen mit Tränen gefüllt und ich wollte nicht, dass Marcus sie sah. Plötzlich hörte ich ihn noch etwas schreien, aber ich verstand die Worte nicht mehr. Ich wollte nur noch nach Hause…

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