Kapitel 31

Tja, das war es nun. Der Urlaub war vorbei und der Alltag ging wieder los. Das Frühstück verlief mehr oder weniger zärtlich zwischen Máté und mir ab. Doch Sissy scherzte mit Marcus nur, wie zwei Freunde es eben tun. Als Sissy zu ihrem Pferd aufbrechen wollte, verweigerte Marcus die Begleitung, worauf ich ihn stumm und etwas fassungslos ansah.

„Marcus, was ist denn?“

„Nichts, was soll denn sein?“, fragte er und räumte den Tisch ab.

Máté räusperte sich und meinte, er würde duschen gehen Er warf mir einen Blick zu, den ich nicht deuten konnte.

„Marcus, weißt du, ich finde es nicht okay, dass du gar keine Interessen mit Sissy teilst. Erst warst du bei der Backstage-Führung nicht dabei, dann verbietest du ihr, dass sie dich nach den Proben vom Theater abholt und jetzt willst du sie nicht einmal zu einem Ausritt begleiten. Bist du nun in sie verliebt, oder nicht?“

„Begleitet dich Máté etwa jeden Tag zur Uni?“

„Nein.“

„Na siehst du!“, meinte er schnippisch.

„Nein, aber er fährt mich nach dem Duschen zur Hofreitschule und ich lasse ihn etwas auf Halál reiten. Er wollte anfangs auch nicht, aber als ich ihm gesagt habe, dass er nicht sagen kann, dass ihm etwas nicht gefällt, bevor er es überhaupt probiert hat, da hat er eingewilligt.“

„Ich weiß aber schon jetzt, dass mich das nicht interessiert.“

„Marcus, du musst ja nicht selbst reiten. Ihr zusehen reicht ja auch schon. In einer Beziehung muss man auch mal zurückstecken können und die Interessen des anderen tolerieren.“

„Erzähl du mir nichts von tolerieren.“, meinte Marcus, zündete sich eine Zigarette an und setzte sich breit auf die Couch. Da war das Maß voll und ich beschloss, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

„Gut, dann bleib hier. Die Wohnung muss sowieso mal wieder geputzt werden und diese Woche ist Sissy dran. Entweder du putzt oder du gehst mit zum Stall!“

Das hatte gesessen. Marcus zog sich an und Máté lief in der Zwischenzeit zum Auto und holte uns vor der Haustüre ab. Wir erwischten Sissy am Reitplatz. Marcus sah mich zweifelnd an, als ob er nicht wüsste was er tun sollte. Ich machte eine Kopfbewegung Richtung Reitplatz und deutete ihm, er solle sich an den Zaun stellen. Ich ging in den Stall und begrüßte die Anwesenden. Máté ging langsam hinter mir nach. Als ich anfing, Halál zu putzen, fragte er interessiert nach der Bedeutung der einzelnen Bürsten und half kräftig mit, Halál sauber zu machen. Ich erklärte ihm das Aufsatteln und Aufzäumen und er wollte alles lernen. Fast kam er mir vor, wie ein kleines Kind. Wir entschieden uns für den Reitplatz. Ich holte eine Longe und ließ Máté den Schimmel führen. Als er dann im Sattel saß, erzählte er, dass er als kleines Kind oft bei seiner Großmutter geritten war, es aber im Lauf der Jahre verlernt hätte. Ich ließ Halál zuerst im Schritt gehen und als Máté schon fast langweilig wurde, trabte der Wallach mit einem Wieher von selbst an. Der Trab behagte meinem Schatz wohl nicht so, denn er hatte Mühe, sich im Sattel zu halten. Dennoch konnte es ihm wohl nicht schnell genug gehen. So stellte ich mich hinter ihn auf den Rücken, wie ich es im Zirkus getan hatte, und wir galoppierten einige Bahnlängen. Máté fürchtete wohl um sein und mein Leben, denn er klammerte sich mit der einen Hand meinen linken Fuß und mit der anderen das Horn (ich ritt im Westernstil) fest. Atemlos kamen wir zum Stehen. Am Zaun stand Sissy mit Sternentänzer am Halfter, und auf dessen Rücken saß, zu meiner Überraschung Marcus. Beide applaudierten. Lachend gingen wir alle in den Stall und banden die Pferde nebeneinander an den Putzplätzen an. Sissy fragte mich, ob ich Sternentänzer mit übernehmen könnte, denn sie müsste mit Thomas etwas wegen dem Dienstplan besprechen. Máté wollte Halál unbedingt alleine absatteln und so ließ ich ihn arbeiten. Marcus stand nur ratlos neben Sissy´s Araber und schaute sich um. Ich zeigte Marcus das Abzäumen und ließ ihn nach einer kleinen Demonstration selbst die Hufe auskratzen. Dabei dachte ich mir: ‚Komisch, Marcus ist doch ein total netter Kerl, den man für alles begeistern kann, aber ich denke, Sissy setzt ihm einfach zu wenig oft die Pistole an die Brust. Er macht seine Arbeit doch sehr gut!‘

Es war nun schon halb zwei am Nachmittag und ich brachte Halál und Sternentänzer in ihre Boxen. Halál legte ich eine Abschwitzdecke über und ging in die Futterkammer. Die beiden Blonden gingen mir hinterher und fragten, ob sie etwas helfen könnten. Ich antwortete Marcus, er müsste am Futterplan schauen, was Sternentänzer zu fressen bekäme. Marcus suchte sich selbstständig alle Zutaten und begann sie mit einer Waage abzuwägen und zu mischen. Ich staunte nicht schlecht und beschloss, Sissy bei Gelegenheit von den vielen verschiedenen Facetten des Marcus Snow zu unterrichten…

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