Kapitel 30

Nachdem ich mit Yvette geredet hatte und somit meine „Last“ loswurde, ging es mir besser. Obwohl sie selbst vor kurzem „Beziehungskummer“ durchmachte, spendete sie mir Trost. Dafür war ich ihr sehr dankbar! Yvette ist immer für mich da, wenn ich sie brauche. Mit ihr kann ich über alles reden. Sie ist oft der Ersatz für meine Mum, die so weit weg von mir ist.

Máté und Yvette waren im Bad verschwunden. Ungefähr konnte ich mir vorstellen, was sich dort drin abspielen würde und musste unweigerlich grinsen.

Samuel verschwand wieder nach unten. Marcus wollte mich in seine Arme schließen. Mit einem „Nicht.“ wandte ich mich von ihm ab. Mir war nicht Zärtlichkeit… ich konnte einfach nicht. Ich brauchte frische Luft und beschloss einen kleinen Spaziergang am Strand. Als ich auf dem Weg zum Strand war, hörte ich hinter mir Schritte. Ich dachte schon, dass Marcus mir nach wollte und drehte mich um, um ihm klar zu machen, dass ich allein sein wollte, aber er blieb im Garten stehen und zündete sich eine Zigarette an. Das erste Mal, dass ich ihn rauchen sah…

Es tat gut mal allein zu sein und so stand ich einfach da und blickte lange ins Meer hinaus. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf; ich ließ auch den ganzen Urlaub Revue passieren und natürlich die letzten zwei Tage… Als ich mich wieder umdrehte um zurück zum Haus zu gehen, sah ich Marcus noch immer – eine Zigarette rauchend – im Garten stehen. Er musste mich die ganze Zeit beobachtet haben. Als ich auf ihn zukam, warf er die Zigarette weg. Ich strich ihm kurz sanft über das Gesicht und dann gingen wir ins Haus hinein.

 

Vor unserer Abreise gingen wir noch am Bahnhof essen. Wir freuten uns schon darauf, sich im Zug gemütlich ausruhen und eventuell auch schlafen zu können. Leider wurde nichts daraus, da der Zug voll besetzt war. Máté und Yvette, sowie Marcus und ich mussten uns einen Sitz teilen. Nur Samuel hatte seinen eigenen. Also saß ich während der ganzen Fahrt auf Marcus´ Schoß. Vorsichtig hielt er mich fest, aber doch unsicher, wo er seine Hände „ablegen“ sollte. Nach meiner heutigen Reaktion auf seinen Versuch mich zu umarmen, wollte er nichts falsch machen. Ich nahm seine Hände in die meinen, zog seine Arme um mich und lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Marcus entspannte sich und genoss meine Nähe. Gedankenversunken schaute ich aus dem Fenster. ‚Wie würde es in Wien mit uns weitergehen?‘

Irgendwann musste ich eingeschlafen sein. Als wir am Wiener Bahnhof einfuhren, weckte mich Marcus ganz sanft. Er war während der ganzen Zugfahrt wach geblieben und hatte über mich gewacht. Zuhause angekommen, fiel ich wie ein Stein in mein Bett. Ich bemerkte gar nicht mehr, dass sich Marcus neben mich legte.

 

Als ich meine Augen aufschlug, blickte ich direkt in Marcus´ Augen. Er lächelte mich an und flüsterte mir „Guten Morgen!“ zu. „Guten Morgen.“ murmelte ich zurück. Sanft strich mir Marcus über mein Gesicht und wollte mich küssen, aber ich wich zurück. Verdutzt sah er mich an. „Tut mir leid!“ antworte ich ihm und stand auf, um mich zu duschen. ‚Ja, wir haben uns ausgesprochen und ja, ich wollte ihm seinen Ausrutscher verzeihen! Aber…‘ Ich musste daran denken, dass er vielleicht die Kellnerin genauso berührt hatte; genauso geküsst…

Als ich aus dem Bad zurück kam, saß Marcus meinem Bett; die Hände zu Fäuste geballt. Er schien mich nicht sofort zu bemerken; als er mich sah, stand er auf und verschwand im Bad. Während Marcus duschte, telefonierte ich mit meinem Bruder. Christian bedankte sich für die Karte, die ich ihm geschickt hatte und wir führten natürlich auch noch etwas Smalltalk. Als Marcus mit einem Badetuch um seine Hüfte gewickelt aus dem Bad kam, saß ich also noch in Unterwäsche auf meinem Bett. Marcus blieb im Türrahmen stehen und sah mich an. Während ich in meine Jeans schlüpfte, hatte er sich immer noch nicht vom Fleck gerührt. „Marcus?“ Ich warf ihm einen leicht besorgten Blick zu.

„Du bist so wunderschön!“ Dann schien er seinen Körper wieder unter Kontrolle zu haben und bewegte sich. Während Marcus sich anzog, ging ich schon mal vor um Frühstück zu machen.

 

Yvette und Máté schliefen noch. Der Kaffee war eben erst fertig geworden, als sich Marcus von hinten anschlich und mir die Kaffeekanne aus der Hand nahm.

„Setz dich, heute möchte ich dich gerne verwöhnen.“ Ich tat, was mir befohlen wurde. Marcus kämpfte um mich… Durch seine leichte Nervosität entstanden ein paar ungeschickte Handgriffe. Diese entlockten mir ein Lachen. Und es tat gut! Auch Marcus; seine Lippen verzogen sich zu einem schüchternen Lächeln. Die Stimmung zwischen uns entspannte sich und am Frühstückstisch, versuchte Marcus mir weiterhin ein Lachen zu entlocken. Selbst im Urlaub hatten wir nicht so viel gescherzt. Nun wurde Marcus von meinem Lachen angesteckt und begann ebenfalls herzhalft zu Lachen. Da wurde mir ganz warm ums Herz.

Wir hatten noch gar nicht zu frühstücken begonnen, als inzwischen Yvette aus dem Zimmer kam. Verdutzt schaute sie uns an und nuschelte müde ein „Guten Morgen ihr zwei!“ Einige Minuten später gesellte sich auch Máté zu uns an den Frühstückstisch. Zärtlich küsste er Yvette und beide konnten kaum ohne Zärtlichkeitsaustausch frühstücken. Ich stand auf und räumte mein Frühstücksgeschirr weg.

„Ich möchte nach Sternentänzer sehen. Kommst du mit Marcus?“ Marcus verneinte und so ging ich alleine los.

 

Ich war froh, meinen Sternentänzer endlich wieder zu sehen. Ich hatte ihn schrecklich vermisst. Sternentänzer begrüßte mich schon von weitem mit einem Wiehern und kam auf der Weide auf mich zu galoppiert. Ich schlang meine Hände um seinen Hals und Sternentänzer legte seinen Kopf auf meine Schulter. Eine Zeitlang stand ich so da und kraulte Sternentänzer hinter den Ohren.

„Hallo Sissy!“ – wurde ich von Tom begrüßt.

„Hallo Tom! Hier, für dich.“ Ich hatte Tom, als Dank dafür, dass er sich um Sternentänzer gekümmert hatte, ein kleines Souvenir mitgenommen. Er freute sich darüber.

„Und wie war dein Urlaub?“

Darüber wollte ich nicht reden und antwortete nur knapp, dass er ganz okay war. Danach machte sich Tom wieder an seine Arbeit.

Ich schnappte mir Sternentänzers Zaumzeug und beschloss ihn heute ohne Sattel zu reiten.

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