Kapitel 26

Ich war froh, dass sich Yvette und Máté wieder vertrugen. Nun konnten endlich wir alle unseren Urlaub in vollen Zügen genießen, da sich auch Samuel und Nicki wieder wie normale Menschen benahmen. Naja, denkste…

Als Yvette, Máté, Marcus und ich gerade unseren Spaß hatten, fetzten sich die beiden schon wieder. Nicki schrie Samuel gerade an und schien ihm irgendetwas vorzuwerfen. Wir vier starrten uns verwirrt an. Denn sie hatten doch gesagt, dass es zwischen ihnen vorbei wäre. Aber eigentlich ging uns das auch nicht wirklich etwas an. Nur wir wollten uns nicht den „letzten“ Urlaubstag vermiesen lassen. Da mich ihre Streiterei nervte, rappelte ich mich auf und ging auf die beiden zu, um ihnen meine Meinung zu geigen. Doch als ich ankam, wandte sich Nicki ab und ging ins Haus rein. Also funkelte ich Samuel an. „Was war das denn jetzt wieder?“ Samuel fauchte zurück „Das geht dich nichts an!“ und ging. Na, super!

Aber wenn ich schon mal beim Haus stand, konnte ich uns ja gleich noch was zum Trinken holen und ging rein. Als ich mit einem Krug voll Eistee aus der Küche kam, rumpelte Nicole mit ihrem Koffer die Treppen runter. „Nicki! Wo willst du hin?“ Sie hatte geweint; ihr Mascara war verschmiert.

„Ich halte es keine Minute länger mehr mit diesem Typ unter einem Dach aus! Ich fahre nach Hause.“

„Nicole, warte!“ Aber sie ließ sich nicht aufhalten. Eisern entschlossen ging sie Richtung Bahnhof. Mit dem Krug in der Hand ging ich zu den anderen. „Was ist denn mit Nicki los?“ Wollte Yvette wissen. Ich erzählte und meinte, dass wir sie zurückholen sollten. Marcus erklärte sich bereit dazu und machte ich auch gleich auf den Weg. Aber er kam nach einer halben Stunde wieder alleine zurück. „Sie war nicht zu besänftigen. Sie ist gleich in den nächsten Zug eingestiegen.“

Es musste etwas Gröberes passiert sein, wenn Nicole auf den Weg nach Wien war und Samuel schien auch abgehaut zu sein. Er war unauffindbar und ließ sich den ganzen Tag nicht blicken.

 

Am Abend beschlossen Marcus und ich, am Strand spazieren zu gehe. Die Sonne ging gerade unter und es war keine Menschenseele zu sehen. Barfuß spazierten wir durch den Sand, nahe am Meer, so dass die Wellen unsere Füße umspielten. Wir waren so glücklich. Hin und wieder küssend genossen wir schweigend die Zweisamkeit.

Als wir so dahingingen, tauchte plötzlich eine Schattengestalt vor uns auf. ‚Samuel!‘ Samuel war also Frust saufen gewesen. Er schwankte uns entgegen, schien uns aber nicht zu registrieren. Wir beobachteten ihn eine Zeitlang, bis er plötzlich einen Wutanfall zu bekommen schien. Auf einmal fing er an furchtbar zu schreien. Die Worte waren unverständlich, da er schon zu sehr lallte. Samuel schien nicht mehr aufzuhören und ich bekam es mit der Angst zu tun. Marcus ging auf ihn zu, packte ihn und redete mit ihm. Dann war er ganz still. Ich hatte schon befürchtet, dass Samuel auf Marcus einschlagen würde, er tat es Gott sei Dank nicht.

Marcus und ich stützten ihn und wir gingen gemeinsam zum Haus zurück. Marcus kümmerte sich um ihn und ich setzte ich im Garten auf einen Stuhl. ‚Was hier das nur für ein Ort?‘ Mich durchlief ein Schaudern. Es gab bei jedem Streit; nur Marcus und ich kamen ohne aus und schienen glücklich zu sein…

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Marcus wieder raus. Er nahm mich bei der Hand und wir machten es uns auf den Stufen der Terrasse bequem. Marcus suchte meine Nähe, als suchte er nach Geborgenheit und schmiegte sich eng an mich. Ich strich ihm sanft über den Kopf und ließ dann meine Finger mit streichenden Bewegungen seinen Rücken entlang gleiten. Später sah mich Marcus mit tränengefüllten Augen und flüsterte „Elisabeth, ich liebe dich und ich möchte dich nie verlieren!“

‚Was hatte ihm Samuel erzählt? Oder dachte er an die Heimreise nach Wien mit der Erinnerung an dieses Mail?‘ Ich fragte nicht, sondern strich ihm zärtlich über sein Gesicht und hauchte ihm ebenso einen zärtlich Kuss auf seine Lippen. Darauf folgten mehrere Küsse, bis es und doch etwas zu kühl wurde. Marcus fasste mich wieder bei der Hand und gingen in unser Zimmer, das sogleich verschlossen wurde. Wir verbrachten eine wunderschöne Nacht, die mit sanften Zärtlichkeiten begann und mit großer Leidenschaft endete.

 

Am nächsten Morgen, standen wir etwas später auf, als sonst. Yvette und Máté saßen schon beim Frühstück und begrüßten uns mit einem grinsenden „Guten Morgen!“. Samuel schien noch zu schlafen. Nach dem Frühstück überlegten wir zusammen, wie wir unseren letzten Urlaubstag verbringen könnten. Ich wollte einfach nur raus in die frische Luft. Im Haus fand ich es zu bedrückend. So beschlossen wir uns für einen kleinen Ausflug durch die Stadt. Da Yvette dafür noch nicht fit genug war und Samuel immer noch schlief, machten wir uns zu dritt auf den Weg.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0