Kapitel 22

Nachdem wir Yvette vom Bahnhof abgeholt hatten, gingen wir alle gemeinsam essen. Nach dem Essen musste Yvette mit Louis Knie jr. zum Zirkus gehen. Máté durfte ausnahmsweise mit. Samuel und Nicki wollten den ersten Urlaubstag für sich alleine genießen. Marcus und mir war das nur recht. Zum Glück hatte sich Marcus wieder entspannt und scheinbar mal für die Tage im Urlaub dieses Schreckensmail vergessen. Ich konnte es auch gut aus meinem Gedächtnis verdrängen. Schließlich wollte ich einen wunderschönen Urlaub mit Marcus genießen.

Marcus und ich verbrachten den ersten Tag gemütlich. Yvette hatte, da sie so gut mit Halál harmonierte, schon heute ihre Premiere und wir wollten natürlich alle dabei sein. Also „konnten“ wir nichts Großes anfangen. Da heute ein schöner sonniger Tag war, holten Marcus und ich unsere großen Badetücher, suchten uns einen abgelegenen freien Platz am Strand und machten es uns dort gemütlich. Marcus zog sein T-Shirt aus und ich machte es mir im Bikini bequem. Wir ließen uns eine Zeitlang die Sonne auf dem Bauch scheinen. Plötzlich drehte sich Marcus auf die Seite und strich mir sanft über mein Gesicht. Ich sah ihn an und begegnete einem zärtlich, entschuldigendem Blick. Marcus wollte gerade seinen Mund – für eine Entschuldigung – öffnen, aber ich hatte ihm schon meinen Zeigefinger auf seine Lippen gelegt, den ich gleich wieder wegnahm um diese Lippensanft zu küssen. Marcus zog mich zu sich und ich schmiegte mich eng an ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust. Ich fühlte mich in seiner Nähe so wohl und es war ein schönes Gefühl, dass auch er meine Nähe suchte. Es freute mich, dass er unsere Zweisamkeit in vollen Zügen mit mir genoss.

Auf einmal tauchten über uns zwei große Schatten auf und einer davon grinste schelmisch. Samuel und Nicki wollten uns an die Zirkusvorstellung erinnern. Also packten Marcus und ich unsere Sachen und gingen ins Haus, um uns frisch zu machen.

 

Beim Zirkuszelt angekommen empfang uns Máté und drückte uns die Karten in die Hand. Klar, dass wir in der Loge saßen. Yvette hatte eine wundervolle ungarische Postkutsche dargestellt. Ich war vom ganzen Abend beeindruckt. Nach der Vorstellung versorgte Yvette noch Halál und wir machten es uns im Ferienhaus gemütlich.

 

Wir hatten großes Glück mit dem Wetter. Jeder Tag war wunderschön sonnig und so verstrichen die Urlaubstage dahin. Yvette probte ein paar Stunden am Vormittag und konnte den Nachmittag mit Máté genießen. Die Abende verbrachte sie mit Showeinlagen und wenn sie nicht zu müde war, zog sie mit uns danach um die Häuser.

Am Sonntag hatte Yvette ihre letzte Vorstellung. Louis Knie jr. spannte sie nur eine Woche ein, damit sie die zweite Urlaubswoche richtig genießen konnte.

Am Sonntagmorgen kam mir Yvette verändert vor. Sie wirkte nicht richtig ängstlich, aber doch leicht nervös und genervt. Máté schien es nicht aufzufallen. Mir ließ es keine Ruhe und so sprach ich Yvette darauf an. „Yvette, ist mit dir alles in Ordnung?“ Sie druckste rum und da war schon klar, dass sie etwas bedrückte.

„Dieser Odivio lässt mich nicht in Ruhe. Jedes Mal nach der Vorstellung oder nach den Proben versucht er mich auf einen Drink einzuladen und kommt mir unangenehm nah.“

„Warum sagst du das dem Knie jr. nicht?“ Darauf bekam ich keine Antwort, denn Máté kam zu uns.

Nach der Zirkusshow – wir sahen uns natürlich auch Yvette´s letzte Show an – gingen wir in ein schönes Lokal richtig feiern. Wir wollten endlich den Urlaub mit Yvette genießen. Marcus und ich tanzten viel, küssten uns und fühlten uns einfach in Urlaubsstimmung. Mir entging dabei aber nicht, dass Samuel´s Freundin und Yvette keine glücklichen Gesichter machten. Bei beiden kannte ich den Grund: Yvette hatte offenbar Máté noch immer nichts von Odivio erzählt und Samuel flirtete heftig mit anderen Frauen. Er versuchte es auch bei mir und da es für mich nur Spaß war, ließ ich mich anfangs auch darauf ein. Aber Marcus war sehr eifersüchtig und ließ Samuel deutlich spüren, dass er die Finger von mir lassen sollte. Den restlichen Abend widmete ich mich nur noch Marcus.

Da viel getrunken wurde, musste auch mal der Gang zur Toilette sein. Dort bot sich mir ein schockierender Blick. Zuerst dachte ich, ich sehe nicht richtig. Aber beim zweiten Mal hinsehen erkannt ich deutlich, wie Máté mit einer fremden Frau rumknutschte. Erst schluckte ich mal, dann ließ ich es mir nicht nehmen Máté anzusprechen. Erschrocken fuhr er zusammen. Nun musste ich aber und ging rein zu Toilette. Máté hat auf mich gewartet, um mich anzuflehen Yvette nichts davon zu sagen. Ich versprach es ihm nicht, denn schließlich war Yvette meine beste Freundin und sie verdiente es, die Wahrheit zu erfahren. Ich legte ihm nahe, dass er es selbst Yvette sagen sollte. Da ich heute niemandem den Abend verderben wollte, ließ ich mir von diesem Gespräch nichts anmerken. Ich wollte einfach nur den Abend und die Nacht mit Marcus in vollen Zügen genießen, was bei uns beiden erst am frühen Morgen ein Ende fand. Wir hatten uns leidenschaftlich geliebt.

 

Am Montagmorgen beschloss ich Yvette noch vor dem Frühstück für einen Ausritt zu begeistern. In der Nähe von uns war ein Reitstall und dort borgten wir uns zwei Pferde aus. Wir machten einen langen Ausritt am Strand.

„Yvette…“

„Ja?“

„Hat Máté schon mit dir gesprochen?“

„Worüber?“

„Ähm… gestern…“

Nun erntete ich von Yvette einen verwirrten Blick. „Worüber sollte er mit mir sprechen?“

„Ach nichts …“ brach ich ab. Ich wusste nicht, wie ich Yvette sagen sollte, dass ich Máté gestern mit einer fremden Frau küssend gesehen hatte. Natürlich blickte sie mich jetzt fragend an, aber ich wehrte nur kopfschüttelnd ab.

Wir ritten zwei Stunden dahin. Als wir die Pferde zurückbrachten, konnte ich es einfach nicht mehr länger für mich behalten und musste es Yvette einfach sagen.

„Yvette, ich … ich habe gestern Abend im Lokal Máté mit einer anderen Frau beim Küssen ertappt.“

Mit den Worten „Du spinnst doch!“ lief Yvette davon und ließ mich stehen.

‚Shit!‘ Jetzt hatte ich Zweifel, ob ich das richtige getan hatte oder nicht.

Im Ferienhaus angekommen war jeder beschäftigt. Nur Yvette und Máté waren nicht zu sehen. Marcus schwamm im Pool und Samuel und Nicki schienen sich zu streiten. Ich begab mich ins Bad, denn ich benötigte dringend eine Dusche. Danach gab es Frühstück

 

Als wir alle am Tisch saßen und mit dem Frühstück anfangen wollten, ergriff plötzlich Yvette das Wort. Wir spitzten gespannt unsere Ohren und ich richtete meinen Blick sofort auf Yvette und Máté…

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