Kapitel 18

Marcus und ich hatten beschlossen, bei der Backstageführung durch das Theater an der Wien mitzugehen. Den Kindern merkte man deutlich ihre Aufregung an. Viele glänzende Augen strahlten während der Führung. Máté und Yvette zeigten ihre Liebe offen und gingen Hand in Hand. Marcus hielt sich damit mehr zurück und so gingen wir einfach nur nebeneinander.

Nach der Führung unterhielten wir uns vor dem Bühneneingang noch etwas. Ein Lehrer und ich besprachen noch den Termin für die Führung durch die Spanische Hofreitschule. Danach unterhielten sich die Schüler noch mit Máté und Yvette. Marcus zog mich zur Seite und küsste mich zärtlich; mich durchlief es heiß und kalt.

Am nächsten Tag folgte die Führung durch die Spanische Hofreitschule, die Herr Polak persönlich machte.

Máté und Yvette waren auch gekommen. Nur Marcus nicht… Aber er hatte mir gleich klar gemacht, dass ihn Pferde nicht interessierten und daher auch kein Interesse an dieser Führung bestand. Außerdem musste er noch für das bald anstehende Donauinselfest proben. Trotzdem war ich ein wenig traurig und beneidete Yvette gerade, dass Máté an ihrer Seite war. Er schien jede Minute seiner freien Zeit mit Yvette verbringen zu wollen. Und Marcus? Er war ehrgeizig und seine Arbeit war natürlich sehr wichtig für ihn. Und ich? Wie wichtig war ich für ihn? Hatten wir zu unterschiedliche Interessen? Ich seufzte und schob sogleich meine kindischen Gedanken wieder beiseite. Vielleicht war ich einfach nur egoistisch.

Die Kinder konnten sich gleich für diese Führung begeistern und natürlich vor allem für die Pferde. Auch Yvette und Máté zeigten Interesse daran. Natürlich war die Freude bei den Kindern groß, als es nach der Führung hieß, dass Pferde für die ganze Klasse gesattelt waren. Da die Stuten ja in der Show nicht eingesetzt wurden, durften die Kinder auf ihnen reiten. Auch Sternentänzer kam zum Einsatz und er zeigte etwas Stolz dafür. Die Kinder bedankten sich herzlich dafür und als wir uns von ihnen verabschiedeten, übergaben sie uns jedem ein Geschenk. Auch für Marcus, dass sie mir dann für ihn in die Hand drückten.

Die Schüler bestanden darauf, dass wir die Geschenke gleich auspackten. Also taten wir dies. Yvette und Máté hatten jeder ein Bild, das die Schüler nach der Backstageführung beim Theater an der Wien von den beiden geschossen hatten. Ich hielt ebenfalls ein Foto von Marcus und mir in der Hand. Marcus und ich wurden offensichtlich bei unserem zärtlichen Kuss von einem der Schüler erwischt und dabei heimlich fotografiert. Das hatten wir gar nicht bemerkt. Ich war von diesem Foto gerührt und konnte nur mit Mühe meine Tränen wegblinzeln. Es war ein so schönes Foto; es war nicht gestellt.

Wir bedankten uns herzlich dafür und versprachen, dass diese Fotos einen Ehrenplatz bekommen werden.

Marcus sah ich erst am nächsten Tag wieder.

 

Ich holte Marcus vom Theater ab, um ihm das Geschenk der Schüler zu überreiche. Er machte es auf und war sichtlich – genau wie ich – darüber überrascht. Es schien ihm zu gefallen und meinte auch, dass es einen Ehrenplatz bekommen wird.

Ich hatte meines neben meinem Bett auf das Nachtkästchen gestellt.

Marcus lud mich zum Essen ein und wir unterhielten uns gemütlich.

Dieses Jahr war es Marcus´ erster Auftritt beim Donauinselfest und er war natürlich auch dementsprechend aufgeregt.

Nachdem Essen ging es zu Marcus nach Hause und wir verbrachten mehr oder weniger einen romantischen Abend. Ich verbrachte die Nacht bei ihm.

Da ja am nächsten Tag das Donauinselfest war, konnte Marcus lange nicht einschlafen. Er wälzte sich oft hin und her und stand dann doch wieder auf. Ich selbst musste ein paar Minuten eingenickt sein, denn als ich aufwachte, war seine Seit leer. Ich stand auf und sah ihn beim Fenster rausschauen stehen. Ich ging zu ihm und legte meine Hand auf seine Schulter.

„Habe ich dich geweckt?“

„Nein.“

Marcus wirkte angespannt und ich begann sanft seine Schultern zu massieren. Er war sehr verspannt. Marcus drehte sich mit den Worten „Das tut gut“ zur mir um. Daraufhin schnappte ich seine Hand, zog ihn zum Bett und setzte meine Massage fort. Ich merkte deutlich, wie er sich langsam entspannte.

„rrrrrring!“ Marcus´ Wecker schreckte uns auf und so quälten wir uns aus dem Bett. Ich schickte Marcus zuerst ins Bad und machte währenddessen – nachdem ich mich in seiner Küche zurecht gefunden hatte – Frühstück.

Marcus´ Gesichtsausdruck nach zu urteilen freute er sich darüber.

„Womit habe ich diese Ehre verdient? Zuerst eine wunderbare Nacht und dann das Frühstück!“

Ich lächelte ihn glücklich an, küsste ihn auf die Wange, schickte ihn Frühstücken und begab mich ins Bad.

Marcus war zwar die ganze Zeit ordentlich nervös, aber er unterdrückte dies erfolgreich und strahlte. Meine Massage schien eine positive Wirkung nach sich zu ziehen…

 

Treffpunkt war beim Raimundtheater. Yvette und Máté waren schon da. Yvette entging natürlich mein strahlendes Gesicht nicht und sie konnte es wieder mal nicht lassen und zog mich auf.

Gesammelt fuhren wir alle zur Donauinsel. Bei der Bühne angekommen, waren auch schon viele Fans da. Marcus war zu nervös, um Autogramme zu geben und so verzogen wir uns gleich hinter die Bühne. Ich versuchte ihn zu beruhigen, aber es gelang mir nicht wirklich und so bat ich Máté darum.

Bei den Proben blieben Yvette und ich hinter der Bühne und sahen ihnen sozusagen Backstage zu. Ich war verwundert, wie viele Leute – hauptsächlich Mädchen – schon da standen, um sie zu sehen.

Nach der Probe gingen wir essen. Marcus brachte kaum etwas runter. Wir beschlossen wieder zurück Backstage zu gehen und seine Kollegen versuchten alle ihm sein Lampenfieber runter zu schrauben. Es gelang. Zuletzt küsste ich ihn erst zärtlich, dann mit Leidenschaft. Danach mischte ich mich mit Yvette unter das Publikum. Zum Glück waren noch nicht allzu viele da und wir beide schafften es, uns in die erste Reihe zu zwängen.

Als das VBW Orchester auf der Bühne saß und Alexander Goebel auf die Bühne trat, wurde ich nervös. Marcus war wunderbar und von seiner Nervosität von vorhin merkte man nichts. Er war ganz in seinem Element. Nach dem letzten Lied wollte ich mich schon wieder durch das Publikum raus quetschen, als plötzlich Alexander Goebel nochmal Marcus ansagte. Verwundert blieb ich stehen und staunte nicht schlecht.

Marcus kam mit den Worten „Mit folgendem Lied möchte ich mich bei einem ganz besonderen Menschen bedanken. Für Ihr Verständnis und dafür, dass sie mir immer zur Seite steht. Ohne sie hätte ich den heutigen Tag nicht überstanden. Ich möchte das Lied „Dich kennen heißt dich zu lieben“ aus dem Musical „Mozart“ meiner Freundin Elisabeth widmen.“ Während Marcus sang, wandte er seine Augen kein einziges Mal von mir ab. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich in diesem Moment fühlte. Ich konnte es gar nicht glauben. Marcus sang vor zig Menschen ein Lied; nur für mich! Mir stiegen Tränen in die Augen und ich konnte sie nicht zurückhalten. Sie liefen mir unaufhaltsam übers Gesicht. Yvette lächelte mich an und hielt mich in den Armen. Sie hatte wohl Angst, dass es mich so sehr überwältigt und ich umfallen könnte. Ich glaube, ich war nah dran.

Als Marcus sein Lied beendete, erntete er tosenden Applaus ich flüsterte nur „Oh Marcus!“

Plötzlich kamen die Security-Männer zu mir und hievten mich über die Absperrung. Marcus kam vor zum Rand der Bühne; die Männer hoben mich hoch und Marcus küsste mich vor all den Leuten ganz zärtlich. Dann flüsterte er mir noch ins Ohr – daneben hielt er noch das Mikrofon in der Hand – „Ich liebe dich!“.

Danach ging ich hinter die Bühne und umarmte Marcus.

„Danke; und ich liebe dich auch“ – flüstert ich ihm ins Ohr. In diesem Augenblick war ich einfach der glücklichste Mensch auf der Welt. Marcus strich sanft über mein tränenüberströmtes Gesicht und wischte die Tränen weg. Gerade wollten wir uns küssen, als Marcus nochmal auf die Bühne musste. Es sangen noch alle zusammen ein Abschlusslied.

Nach dem Auftritt, als wir gehen wollten, kamen noch ein paar Fans und baten um Autogramme. Marcus hielt sich nicht lange auf und für ein Foto nahm er sich keine Zeit mehr. Ich sah den Fans die Enttäuschung an und meinte zu Marcus, dass er sich wegen mir nicht stressen sollte. Aber Marcus wollte sich schon mit mir zurückziehen und diesen Abend noch schön ausklingen lassen. Wir beschlossen mit Yvette und Máté noch etwas trinken zu gehen.

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