Kapitel 8

Heute viel mir das Aufstehen doch etwas schwer; naja, kein Wunder. Gestern wurde es ja doch sehr spät, bis wir ins Bett kamen. Und gleich geschlafen habe ich ja auch nicht. Yvette hatte mir einen wunderschönen Abend beschert. Seit ich diesen Ungarn – den Tod aus dem Musical „Elisabeth“ – das erste Mal auf einem Plakat gesehen habe, schwärmte ich von ihm. Und gestern war ich ihm zum Greifen nahe! Er sieht verdammt gut aus; aber es ist nur Schwärmerei und keine Verliebtheit.

Aber nun zurück zum jetzigen Geschehen.

Als ich aufstand, war Yvette schon auf und sah nicht wirklich erfreulich aus. Offensichtlich streikte heute noch unsere Kaffeemaschine. Das gefiel mir gar nicht. Also ließ ich das Frühstück aus, denn Tee mochte ich nicht. So etwas trinke ich nur, wenn ich krank bin, im Winter wenn es kalt ist oder wenn es mir aus irgendeinem Grund nicht gut ging.

Außerdem brauche ich in der Früh meinen Kaffee!

 

Nachdem Yvette mit duschen fertig war, gesellte ich mich zu ihr ins Bad und begann mein Gesicht zu waschen. Als ich begann meine Haare zu bürsten, ging Yvette und ließ natürlich wieder eiskalt ihre Tasse im Bad stehen. Ihre alt „Krankheit“ eben. Ich habe mich schon damit abgefunden und rief ihr noch scherzhaft nach: „ Ich bin doch nicht dein Tassen-Heini! Schönen Tag auch!“

Ich stellte als ihre Tasse in die Küche und war dann auch schon eine Wolke. Wie jeden Arbeitstag fuhr ich mit der U-Bahn zur Spanischen Hofreitschule. Es waren noch nicht allzu viele Leute hier, da ich heute ml früher dran war als sonst. Tom war auch schon da. Er kam gerade vom Stall raus und staunte über meine Anwesenheit. „Was machst du denn schon da?“ war seine Begrüßung, die ich ihm mit einem „Guten Morgen! Unsere Kaffeemaschine hat zuhause den Geist aufgegeben. Da beschloss ich hier zu frühstücken. Das ist doch okay?“ Er nickte und so gingen wir gemeinsam in unser Reiterstübchen. Tom und ich frühstückten gemeinsam und unterhielten uns auch etwas. Danach machten wir uns auf und ran an die Arbeit. Ich sah aber vorher noch schnell zu meinem Sternentänzer, der mich wie üblich begrüßte. Ich beeilte mich, so schnell ich konnte, mit meiner Arbeit. Heute wollte ich mal schneller fertig werden als sonst. Tom entging natürlich meine Hektik nicht und fragte Scherzhaft: „Möchtest du einen neuen Rekord aufstelle, oder warum hast du es heute so eilig?“ Diese Frage unterstrich er mit einem schelmischen Grinsen.

„Nein, aber ich möchte so bald wie möglich fertig werden. Meine Freundin, Yvette, möchte sich mit mir so gegen Mittag treffen und ihr Vater holt mich ab.“

Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, kam mir Juan auch schon entgegen. ‚Shit!‘ war gleich mein erster Gedanke. Denn ich war natürlich noch lange nicht fertig…

„Lass mal, ich mach deines mit“. Mit diesen Worten stand Tom neben mir.

„Nein, das kann ich nicht annehmen. Du hast am Montag schon meine Arbeit mitgemacht.“

Aber Tom ließ mich nicht ausreden und nahm mir mit „Ich mach das gerne für dich. Lädst mich dafür mal auf einen Kaffee ein. Und nun hau ab und einen schönen Tag!“ meine Arbeit sozusagen aus der Hand.

Ich bedankte mich und ging los.

 

Ich wusste nicht, wohin ich „entführt“ wurde. Yvette hat mir nichts gesagt. Dafür staunte ich dann auch nicht schlecht, als wir vorm Theater an der Wien stehen blieben und ausstiegen. Wir gingen beim Bühneneingang rein und Richtung Garderoben. Da kamen uns auch schon Yvette, Máté (ich war positiv überrascht) und Marie (die über das ganze Gesicht strahlte) entgegen. Yvette´s Vater musste gleich wieder los und nahm auch Marie mit. So, jetzt waren wir drei alleine. Máté lud uns beide noch zu sich ein seine Garderobe ein. Dort hing sein wunderschönes Tod-Kostüm. Seiner Konversation – die Máté uns noch gab – hörte ich aufmerksam zu. Besonders als ungarisch redete. Ich verstand zwar davon kein Wort, aber es gefiel mir. *grins*

 

Ich war sofort Feuer und Flamme für den Vorschlag, nach Schönbrunn zu fahren. Ich liebe Schlösser! Außerdem war ich noch nie dort und kannte das Schloss nur auf Papier und aus dem Internet. Dort angekommen, kam ich kaum aus dem Staunen raus. Es war wunderschön! Plötzlich bemerkte ich, wie Máté einen blonden, gut aussehenden Mann mit „Hey Marc! Na, wie geht´s?“ begrüßte. „Du, sag mal, hast du Lust, ne Runde mit dem Fiaker zu fahren?“

Ich kannte diesen Mann nicht und flüsterte so Yvette zu „Wer ist das?“

Ihre Antwort war „Das ist Marcus Snow und er ist ebenfalls Musicaldarsteller.“

Und schon stiegen wir in zwei Kutschen ein. Yvette mit Máté und ich mit diesem Marcus Snow. Ich fand´s unheimlich schön mit dem Fiaker zu fahren, da ich das schon immer mal wollte. Aber mit diesem Marcus in einer Kutsche war mir am Anfang nicht ganz wohl…

Ich kannte ihn nicht. Aber er war total süß und wie sich während der Fahrt herausstellte auch nett. Obwohl er ein ganz klein bisschen eine arrogante Ausstrahlung hatte. Aber davon ließ ich mich nicht stören. Eine Zeit lang saßen wir schweigend nebeneinander. Ich empfand es als bedrückend und peinlich. Krampfhaft überlegte ich einen Gesprächsstoff, aber es wollte und wollte mir nichts einfallen. Offensichtlich wurde es Marcus auch zu blöd und so fing er ein Thema an. Wir stellten uns einander vor und Marcus erzählte von seiner Arbeit; seiner geraden aktuellen Rolle des Tybalts in dem kommenden neuen Muscial „Romeo & Julia“. Es laufen gerade noch die Proben.

Nach 90 Minütiger Fahrt kamen wir wieder vor dem Schloss Schönbrunn an.

 

Da ich noch nichts zu Mittag gegessen hatte, machte sich der Hunger bemerkbar. Wir berieten, was wir als nächstes machen wollten. Yvette und Máté waren für die Besichtigung des Schlosses. Ich wäre auch gern dabei gewesen, aber Marcus schlug vor Essen zu gehen, da er selber auch Hunger hatte. So trennten sich unsere Wege. Máté und Yvette verschwanden zum Schloss und Marcus und ich gingen essen. Ich war doch etwas nervös. Marcus meinte, dass Schlösser nicht so sein Ding seien. Er erzählte mir etwas über die Proben und – unter der Voraussetzung, dass es untere uns beiden bleibt – über das Musical selbst. Er erklärte mir auch noch die Rolle des Tybalts. Dann fragt er mich aus und ich erzählte ihm etwas über mich.

Kaum war ich mit meiner Erzählung fertig, kamen auch schon Yvette und Máté zu uns an den Tisch. Marcus konnte sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen, die Yvette genial konterte. Máté gab ihr einen Kuss auf die Wange und Marcus und ich mussten einfach „uhhh…“ grölen. Daraufhin schleppte Yvette Máté Richtung Toiletten. Marcus konnte es nicht lassen und meinte „Deine Freundin ist aber stürmisch. Kann es nicht erwarten, was?“ und grinste frech. Ich wollte gerade darauf antworten, aber da kamen die Beiden auch schon wieder zurück. Also dachte ich mir einfach nur ‚Blödmann!‘ Eine viertel Stunde später machten wir uns auf den Weg.

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