Kapitel 16

Heute ist es soweit. Marcus´ Diplomprüfung stand vor der Tür.

Es war ein wichtiger, aber auch gleichzeitig ein merkwürdiger Tag…

Beim Stall angekommen, fand ich einen Pferdeanhänger, den Tierarzt und einen schrill wiehernden Sternentänzer auf der Weide vor. Mein Weg führte als erstes zu Sternentänzer. Ich versuchte ihn zu beruhigen, was mir dann mit viel Geduld und einreden etwas gelang. Er hatte zwar aufgehört zu wiehern, aber er tänzelte noch immer nervös hin und her. Natürlich fragte ich mich, was die Ursache für Sternentänzer´s Aufregung war. Da sein Blick Richtung Stall zeigte, ging ich hinein um rauszufinden, was dort los war. Ich fand Michael mit dem Tierarzt in Julie´s und Sisi´s Box. War denn etwa mit den beiden etwas nicht in Ordnung? „Was ist denn los?“

Michael sah mich traurig an und antwortete: „Wir mussten die beiden verkaufen…“

Da war mir Sternentänzer´s Verhalten klar. Julie war seine Freundin und er wollte nicht, dass sie geht. Irgendwie musste er das gespürt oder mitbekommen haben. „Aber warum?“ Darauf bekam ich keine Antwort, aber die Anweisung Sternentänzer für ein paar Minuten abzulenken. Also nahm ich einen Führstrick und schaffte es irgendwie mit Sternentänzer spazieren zu gehen.

Als wir zurückkamen, waren die beiden schon weg. Ich brachte Sternentänzer zurück auf die Weide. Während der Arbeit beobachtete ich ihn und mir tat es weh, ihn so traurig und lustlos rumstehen zu sehen.

Nach der Arbeit ging ich schnell zu Michael ins Büro. Er machte einen niedergeschlagenen Eindruck. Wie Yvette versprochen, sprach ich mit Michael über die Einstellung von ihrem Pferd.

„Naja… normalerweise stellen wir keine fremden Pferde ein, da wir kein „öffentliches“ Gestüt sind … Aber ausnahmsweise, weil sie deine beste Freundin ist.“ Ich dankte ihm und ging.

 

Máté wartete schon auf mich. Er hatte wohl gerade Sternentänzer beobachtet. „Was ist denn mit ihm los?“ Ich erzählte ihm die ganze Geschichte und Máté verstand. Beim Konservatorium angekommen, huschten Máté und ich noch schnell zum „Bühneneingang“. Marcus stand noch herraußen und lächelte mir schon entgegen. Máté huschte schnell rein. Ich wünschte Marcus viel Glück gab ihm einen „Glücksbringer-Kuss“.

Um 14 Uhr ging es los. Marcus erhielt viel Applaus und war wundervoll. Ungefähr dann in der Hälfte seines Stückes kam plötzlich Yvette auf die Bühne. Ich war doch sehr überrascht darüber, wo sie mir doch noch erzählt hatte, dass sie in der Uni sein musste. Warum hatte sie mir das nicht erzählt? Dachte sie, ich würde eifersüchtig auf sie werden? Warum sollte ich? Sie ist doch mit Máté zusammen. Wollte sie Máté damit überraschen und hatte Angst, dass ich es ihm erzählen würde? Glaube kaum, denn ich beobachtete ihn von der Seite und er machte keinen überraschten Eindruck. Er lächelte stolz. Was hatten Yvette und Marcus damit bezwecken wollen, mich so unwissend zu lassen? Hatten sie etwa doch was miteinander? Hatte es deswegen so lange gedauert, bis sie mit Máté etwas anfing? War Marcus deswegen so gereizt zu mir? Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was ich davon denken sollte…

Zunächst mal zwang ich mich irgendwelche Gedanken diesbezüglich beiseite zu schieben, denn jetzt ging es um Marcus und seine Diplomprüfung. Die Vorstellung von den beiden war genial. Marcus musste es einfach schaffen!

Und er hatte es geschafft! Ich war so stolz auf ihn! Nach dieser Verkündung kam Marcus runter von der Bühne und direkt auf mich zu. Ich umarmte ihn und flüsterte ihm meine Gratulation ins Ohr und dass ich sehr stolz auf ihn bin. Diese Worte dankte er mir mit einem leidenschaftlichen Kuss.

Man merkte Marcus an, dass er sehr erleichtert war. Er hatte Tränen in den Augen.

Wir beschlossen Marcus´ bestandene Prüfung mit Yvette und Máté im Stylez feiern zu gehen.

 

Den restlichen Abend verschwendete ich keine Gedanken mehr daran, welche mir zuvor noch im Kopf rumspukten. Zu sehr freute ich mich für Marcus und wollte uns beiden dadurch den Abend nicht vermiesen.

Wir tanzten fast die ganze Nacht durch. Bei ruhigere Songs küssend und eng umschlungen. Ich vergaß dabei alles, was rund um mich war. Es gab für diesen Augenblick nur Marcus und mich.

Marcus entschuldigte sich für sein Verhalten und erklärte mir, dass er sich erst wieder daran gewöhnen muss, einen Menschen an seiner Seite zu haben. Ich lächelte ihn an und verzieh ihm natürlich. Ich fühlte mich in seiner Nähe so wohl und war unendlich glücklich. Gleichzeitig schämte ich mich für meine Zweifel und kindischen Gedanken, die ich jetzt endgültig verbannte.

 

Bevor sich unsere Wege trennten, wollte Marcus noch wissen, was ich denn so am 20. mache? Ich hatte nichts geplant und wurde sofort von Marcus verplant. An diesem Tag fand nämlich das Donauinselfest statt.

Genaueres wollte Marcus mir noch nicht erklären, nur so viel, dass wir beide mit Yvette und Máté hingehen werden und Marcus mich überraschen möchte…

Ich viel ihm um den Hals und atmete intensiv seinen Geruch ein. Wir blieben eine Zeitlang so umarmt stehen. Danach gab es noch einen langen, leidenschaftlichen Kuss…

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