Kapitel 14

Nach dem Kuss flüsterte mir Marcus „Gute Nacht und träum süß!“ ins Ohr. Ich wünschte ihm ebenfalls eine Gute Nacht und wir verabschiedeten uns. Einmal musste ich mich nochmal umdrehen und rief „Marcus!?“. Marcus drehte sich um. „Komm gut nach Hause!“. Marcus antwortete mir mit einem Kopfnicken und einem Lächeln.

Obwohl ich nicht viel geschlafen hatte, kam ich am Sonntag leicht auf.

Schnell einen Kaffee runter geschüttet, machte ich mich auch schon auf den Weg zur Arbeit.

Zuerst wurde Sternentänzer begrüßt, dann besuchte ich die kleine Sisi. Sie hatten das kleine Stutfohlen nach mir getauft. Es ging ihr und der Mutter gut.

Nach der Arbeit sattelte ich Sternentänzer und ritt aus. Den ganzen Tag verspürte ich schon eine große Sehnsucht nach Marcus. Also beschloss ich nach dem Ausritt zum Raimundtheater zu fahren. Da noch die Proben für „Romeo & Julia“ liefen, war Marcus natürlich dort. Der Portier erkannte mich wieder und ließ mich gerne rein. Aber er führte mich nicht zum Proberaum, sondern in den großen Zuschauersaal und ich durfte mich in die 1. Reihe setzen. Heute war nämlich Kostümprobe. Kaum hingesetzt kam Marcus raus. Er sah mich und lächelte mir kaum merkbar zu. Sein Kostüm fand ich einfach nur ‚WOW!!‘ Oder war es doch eher sein Körper, den man zu sehen bekam. Man konnte diesen wahnsinns Körperbau ansonsten nur erahnen. Da stieg etwas der Stolz in mir auf, dass ich mit ihm zusammen bin.

Nach der Probe wartete ich vorm Bühneneingang auf Marcus. Marcus begrüßte mich mit einem zärtlichen Kuss. Er musste noch ins Konservatorium, weil er bald seine Diplomprüfung hatte. Ich begleitete ihn.

 

Am Montag zog sich die Arbeit sehr. Nicht, dass ich meine Arbeit nicht liebe, aber Yvette hatte mir gesagt, dass wir uns am Nachmittag mit Máté und Marcus treffen. Klar, konnte ich es kaum erwarten, Marcus wieder zu sehen. Yvette hatte keinen genauen Zeitpunkt erwähnt, wann sie kommt und da ich mit Sternentänzer schon lange keine Bodenarbeit mehr gemacht habe, wollte ich die Zeit noch nutzen. Doch kaum hatte ich Sternentänzer gesattelt, kam auch schon Yvette. Ich sattelte ihr einfach spontan eine der Lippizanerstuten. Wir ritten durch die Halle und blödelten nebenbei. Ich wollte sie gerade fragen, wie es eigentlich mit Máté und ihr ausschaut, da sah ich auf einmal die beiden Männer sitze. Als Yvette die beiden bemerkte, wurde sie rot im Gesicht. Beim Ausgang der Halle fingen uns Marcus und Máté ab. Tom übernahm für uns die Versorgung der Pferde und so brachen wir gleich zum Prater auf.

 

Ich hielt mich mit Marcus etwas hinter Yvette und Máté, um die beiden beobachten zu können. Natürlich entging dies Marcus nicht. „Was hast du vor?“

Man konnte Máté deutlich anmerken dass er für Yvette mehr empfand, aber offenbar versuchte er dies zu verbergen. Yvette konnte ich nicht einschätzen. Sie zeigte keinerlei Anzeichen. „Sie dir doch Máté mal an. Die beiden schaffen das nicht alleine; da muss nachgeholfen werden.“ Marcus verstand.

Nun übernahmen wir beide die Führung. Marcus hielt vor einem Schießstand an und gewann für mich einen knuffigen Teddybären. Sei Lohn dafür war ein Kuss von mir. Dieser wurde mit einem Kuss von Marcus erwidert. Als wollte er Máté vorführen, dass küssen etwas ganz Einfaches ist. Mit den Worten „Und was schenkst du deiner Liebsten?“ und einem Augenzwinkern zu Máté ließen wir die beiden verdutzt stehen. Aber diesmal nicht, damit Marcus und ich allein sein konnten, sondern damit Yvette und Máté – so hofften wir – kapierten, dass sie sich liebten.

Nach der Runde durch den Prater, beschlossen Marcus und ich eine Runde mit dem Riesenrad zu fahre. Als wir ganz oben zum Stehen kamen, sahen wir Yvette und Máté unten einsteigen. Offenbar wollten auch die beiden für eine Zeit „alleine“ sein und die Aussicht genießen.

 

Marcus und ich gingen etwas essen, dann brachte er mich nach Hause. Er bedauerte es sehr dass er im Moment für mich nicht mehr Zeit hatte, aber da er ja bald seine Diplomprüfung hatte, musste er noch mit den Vorbereitungen weitermachen. Nebenbei erwähnte er, dass unsere Treffen jetzt bis zu seiner Prüfung leider sehr darunter leiden müssen und er kaum Zeit für mich haben wird. Erstmals schluckte ich innerlich schwer, aber natürlich konnte ich dies verstehen und versuchte es mit einem ebenso verständnisvollen Lächeln zu bestätigen. Nach einem langen leidenschaftlichen Kuss ging Mark. Da es Abend war, fuhr ich zum Prater zurück; konnte aber Yvette und Máté nicht mehr finden. So beschloss ich noch etwas durch den Naschmarkt zu schlendern. Dort traf ich dann zufällig eine Freundin aus Passau. Da staunte ich natürlich nicht schlecht und wir setzten uns ins Theatercáfé. Es gab vieles zu bereden und so wurde es sehr spät, bis ich heim kam.

 

Der Tag von Marcus´ Diplomprüfung rückte immer näher und näher. Marcus wurde zunehmend nervös und wirkte oft gereizt, wenn ich ihn anrief. Also beschloss ich es zu lassen. Vielleicht ist es besser einfach darauf zu warten, dass sich Marcus meldet, wenn er Zeit hat. Auch wenn die Tage, an denen ich Marcus´ Stimme nicht hörte, für mich unerträglich waren. Aber diese nutzte ich zugleich mit Sternentänzer für ausgiebige Bodenarbeit.

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