Kapitel 12

Keine Ahnung wie lange ich so in Sternentänzer´s Box dagesessen hatte, als ich Schritte hörte. Es waren Yvette und Máté´. Meine Umgebung nahm ich kaum wahr. Irgendwie mussten es die beiden geschafft haben, mich nach Hause zu bringen und in mein Bett verfrachtet haben. Meine Erinnerungen quälten mich und ich beschloss doch mit Yvette darüber zu reden. Also klopfte ich an ihrer Türe. Sie war noch wach.

Auf ihrer Bettkannte sitzend begann ich ihr mein Herz auszuschütten. Erwähnte aber meine Gefühle nicht, weil ich mich dafür schämte. Ich hatte mich schon in Sternentänzer´s Box gedanklich geschimpft, wie ich mir nur einbilden konnte, dass ein Musicaldarsteller mich lieben könnte. Außerdem, was hat ein solcher Kuss schon zu bedeuten? Ich hatte darin einfach zu viel hineininterpretiert.

Yvette hörte mir geduldig zu, ohne Kommentare einzuwerfen. Und dafür bin ich ihr dankbar gewesen. Nach meiner Erzählung wirkte Yvette nachdenklich und schlug mir dann plötzlich vor, mit ihr wieder mal fortzugehen. Naja, so wirklich danach war mir momentan nicht, aber vermutlich würde mir eine Ablenkung gut tun und so willigte ich ein. Nach einer tröstenden Umarmung und einem Gute-Nacht-Kuss ging ich wieder ins Bett.

Ein paar Minuten lag ich noch wach, bis mich endlich die Müdigkeit überkam.

 

Am nächsten Morgen wachte ich wie gerädert auf; ich hatte schlecht geschlafen.

Heute bestand mein Frühstück nur aus einer Tasse Kaffee; Appetit verspürte ich keinen.

Die Arbeit tat mir gut, aber ich musste elend aussehen, denn Tom warf mir immer wieder besorgte Blicke zu. Nach Feierabend war mir nach ausreiten; also sattelte ich Sternentänzer. Gerade wollte ich aufsteigen, da fragte Tom, ob er mit darf. Klar, ich hatte nichts dagegen. Wir ritten lange dahin.

Nach der Versorgung unserer Pferde schlug Tom vor, noch auf ein Getränk zu gehen. Gesagt – getan. Wir machten es uns in einem kleinen Cáfé gemütlich. Zwei Stunden saßen wir da und unterhielten uns. Danach begleitete Tom mich nach Hause.

Yvette schlief schon.

 

Auch am Samstagmorgen war ich wie gerädert. Marcus wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Yvette hatte heute ihren freien Tag und schlief noch. Als ich beim Stall ankam, stand der Wagen des Tierarztes davor. Ich rannte schnell zum Stall, aus Sorge es könnte etwas mit Sternentänzer sein. Zum Glück war meine Besorgnis umsonst; Sternentänzer ging es gut. Aber eine der trächtigen Stuten machte Michael sorgen. Sie hatte letztes Jahr ein Fohlen verloren und deshalb machte er sich Sorgen, denn sie stand kurz vor der Geburt. Offensichtlich ging es der Stute nicht gut. Sie sah ängstlich aus, als würde auch sie fürchten wieder ein totes Fohlen auf die Welt zu bringen.

Der Tierarzt meinte, dass die Stute doch noch nicht so weit sei und er am Abend nochmal vorbei kommt. Auch Michael musste gehen.

Ich war gerade mit meiner Arbeit fertig geworden, als Tom nach mir rief. Die Stute hatte sich hingelegt. Tom rief den Tierarzt an und suchte Michael, während ich bei der Stute blieb und versuchte sie zu beruhigen. Als der Tierarzt kam, war das Fohlen schon da und beide waren wohl auf.

 

Es war 22.30 Uhr und Yvette und ich standen vorm Styles. Da tauchten auch schon Máté und Marcus auf. Mein erster Gedanke war ‚oh NEIN!‘ Ich wollte ihn nicht mehr sehen … zumindest halt nicht so schnell wieder.

Marcus lächelte und beim Reingehen legte er seinen Arm um mich, nahm ihn aber dann gleich wieder runter. Offenbar spürte er meine Ablehnung. Máté und Yvette setzten sich an die Bar und Marcus verschwand Richtung Toiletten. Ich musste wissen, was Marcus jetzt von mir hält und so ging ich ihm nach. Ich tat so, als wollte ich gerade reingehen, da sprach Marcus mich an.

„Es tut mir leid, dass ich dich nach den Proben einfach sitzen hab lassen… Dar war nicht nett von mir.“ Er machte einen verlegenen Eindruck. Ich antwortete ihm nur barsch – was ich eigentlich nicht wollte – „Schon okay… Deine Freundin hat ja auf dich gewartet.“

Marcus blickte verdutzt und meinte „Warum Freundin?“ Daraufhin erzählte ich ihm, dass ich ihn in der U-Bahn und die innige Umarmung mit dieser Frau gesehen hatte. Nach Marcus´ Erklärung stellte sich heraus, dass es nicht seine Freundin, sondern eine Kollegin und gute Freundin war, die er schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Nach unserem Gespräch – aus dem sich noch nebenbei ergab, dass Marcus gar keine Freundin hat – setzten wir uns zu den anderen an die Bar und bestellten uns Cocktails. Ich bat Mark mir ein bisschen etwas über sich zu erzählen, da er ja über mich schon einiges weiß.

Aus den Boxen drang ein Liebeslied. Marcus nahm meine Hand und bat mich um diesen Tanz. Auf der Tanzfläche zog er mich eng an sich und wir tanzten miteinander.

Um 2 Uhr morgens brachen wir auf. Marcus und ich seilten uns von Yvette und Máté ab.

 

Mit Marcus´ Arm um den Schultern gingen wir noch ein wenig spazieren. Es war mindestens eine Stunde vergangen, bis wir vor meiner Haustüre ankamen. Ich bedankte mich bei Marcus für den wundervollen Abend, da legte er plötzlich seinen Finger auf meinen Mund. Marcus sah mir tief in die Augen, kam mir näher und dann berührten seine Lippen vorsichtig und sanft meine Lippen…

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