Kapitel 3

Nachdem wir uns so nett vorgestellt haben, fangen wir nun an, unsere Geschichte zu erzähle.

Kapitel 3

Alles begann an einem Montagmorgen im Mai. Wie immer klingelte der Wecker um sechs Uhr dreißig ich streckte mich erst mal ausgiebig, als Lena in mein Bett krabbelte. Sie kuschelte sich noch fünf Minuten an mich, bevor wir beide aufstanden. Gähnend tappte ich ins Bad, drehte das Wasser der Dusche auf, putzte mir die Zähne und duschte mich, während auch Lena und Roux die Zähne putzten. Ich zog mich an, schnappte meinen Eastpak-Rucksack und meine Sonnenbrille und ging in die Küche, die gleichzeitig unser Wohnzimmer, und nur durch einen Tresen, an dem Barhocker standen, getrennt, war.

Ich schwang meinen Hintern auf einen Hocker und goss mir heißen Kaffee in meine Lieblingstasse ein. Meine Mutter kam zu mir und sah mich erst mal entgeistert an. „Was machst du denn hier? Warum bist du nicht bei dir zuhause?“

Das war eine gute Frage, denn ich hatte ja eine eigene Wohnung. Warum also sollte ich zuhause schlafen?

„Hey, Mama, ach weißt du, Sissy hat nur einige ihrer alten Freundinnen aus München zu Besuch gehabt, und da wollte ich nicht unbedingt stören. Heute ist ja Montag und ihre Mädchen sind gestern Nacht wieder zurück nach Bayern gefahren.“

„Ach so…“, meinte meine Mutter und nickte.

Ich stand auf, sah nach Roux und Lena und machte mich mit beiden auf den Weg in den Kindergarten. Die U-Bahn war wie immer voll und ich hatte Mühe die beide nicht aus den Augen zu verlieren. Doch ich konnte sie heil beim Kindergarten abliefern. Danach fuhr ich ins Theater an der Wien, denn ich hatte heute erst um eins meine erste Stunde an der Webber-Uni. Am Bühneneingang kamen mir schon Freunde und Bekannte meiner Eltern entgegen, die dort arbeiteten und grüßten mich freundlich, als ich an der Kantine vorbei in den Backstage-Bereich ging. Ich wusste, dass mein Vater bereits hier war, um mit einigen Darstellern zu trainieren, wusste jedoch nicht genau mit wem.

„Yvette“, rief er mir entgegen, als er mich sah.

„Hi, Paps, ich wollt nur mal wieder vorbeischauen.“

„Das ist aber nett. Dann los, zieh dich um und tanz mit.“

Ich sah ihn ungläubig an.

„Äh, bitte, WAS?“

„Du hast doch gehört, was ich gesagt hab, cariña!“

Ich nickte, ging in einer der Garderoben, tauschte meine gewöhnlichen Klamotten gegen Sportbekleidung aus und jumpte gut gelaunt in Richtung Bühne, wo mein Vater mit seinem strengen Tonfall schon am Werk war. Als er mich sah, winkte er mich zu sich und stellte mich vor sich hin. Ich blickte etwas verdattert in ein paar Darsteller-Gesichter, von denen ich die meisten auch einem Namen zuordnen konnte.

„Hey, das ist doch deine Tochter, oder, Juan?“, meinte der „Kronprinz“ Fritz Schmid.

Ich musste lachen und machte einen Schritt nach vorne.

„Ja, ich bin seine Älteste, ich bin Yvette.“

Der Blonde rechts warf mir ein süffisantes Lächeln zu und klatschte kurz auf die Schenkel.

„Und du guckst uns heute also bei den Proben zu?“

Da ergriff mein Vater die Initiative, tauschte Fritz gegen mich aus und ich „durfte“ ganze 1 ½ Stunden Rudolf spielen. Ich hatte so manche kleine Pannen zu überspielen, doch der Blonde, der sich als Ungar und „Tod“ herausgestellt hatte, fing mich auf, wenn ich umfallen zu drohte und hielt mich im letzten Moment fest, als ich stolperte.

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