Kapitel 1

Wir wollen hier eine Geschichte erzählen, die unser Leben verändert hat. Wir, das sind meine allerbeste Freundin und ich. Vielleicht sollten wir uns, der Höflichkeit wegen, erst mal vorstellen:

 

Kapitel 1

 

Mein Name ist Yvette Káros. Meine Mutter ist Ungarin, mein Vater Spanier. Ich bin also eine slawisch-romanische Mischung aus Kämpfernatur und Leidenschaft. J

Mein Vater Juan Peréz-Káros arbeitet als Choreograf, meine Mutter Danae Káros-Peréz ist Maskenbildnerin beim Theater an der Wien und darf Abend für Abend die Darsteller mit brauner Soße und Puder bekleckern.

Ich bin 21 und mitten im Studium. Mit 19 ging ich für ein Jahr nach Spanien, um dort in Cadiz an der Universität ein Auslandsstudium zu machen, denn das braucht man, wenn man eine Sprache studieren will, so wie ich Spanisch. Nebenbei besuche ich eine Privatuniversität für Musicalunterricht, wo auch mein Vater arbeitet – sie heißt Andrew-Lloyd-Webber-Universität. Wer Webber war, weiß wohl jeder, oder? Gut, er war der Vater vom Phantom der Oper, Starlight Express und Jesus Christ Superstar, um nur einige seiner Werke zu nennen. Ich bin immer darauf bedacht, gute Noten in meinen Hauptfächern (Gesang, Tanz, Mimik, Sprachtechnik, Gestik und Theatergeschichte) zu bekommen, weshalb mein Freundeskreis sehr oft darunter leiden muss, doch bis jetzt klappt es gerade noch so.

 

Ich wohne in einer Dreizimmer-Wohnung im 6. Bezirk, genau gegenüber von meinen Eltern. Die Wohnung ist total modern eingerichtet, obwohl das Haus im 19. Jahrhundert erbaut wurde. Überall stehen chinesische Drachen-Statuen und Deko-Kerzen. Meine Geschwister Lena (3), Roux (5), Tadjou (10) und Marie (13) gehen alle noch zur Schule oder in den Kindergarten. Meine jüngste Schwester Lena ist mein kleiner Sonnenschein, denn ich war bei ihrer Geburt dabei. Wenn ich kann bringe ich sie morgens in den Kindergarten und hole sie mittags wieder ab. Dafür muss ich zwar mit der U-Bahn quer durch Wien fahren doch für sie mache ich fast alles. Meine Schwester Marie und ich spielen oft zusammen Volleyball oder Monopoly. Mit Roux spiele ich oft mit Lego-Bausteinen, mit Tadjou dagegen Fußball. So habe ich für alle meine Geschwister etwas, das wir gemeinsam ausüben können. Das ist mir sehr wichtig. Ich halte nichts von Geschwisterstreit.

 

Meine Kindheit habe ich bis zu meinem dritten Lebensjahr in Spanien, bis zu meinem elften in Ungarn verbracht. Erst als ich 11 war zogen wir nach Wien. Ich fahre aber auch jetzt noch gerne nach Ungarn, denn die unendlich weite Puszta ist einfach einladend schön. Jedes Jahr im Sommer fliegen wir mit der ganzen Familie nach Spanien und relaxen einige Wochen am Strand. Das haben wir dann meistens alle nötig, außer die beiden Kleinen, denn die gehen ja noch in den Kindergarten und müssen noch nichts lernen. Doch bei Tadjou und Marie setzt schon der Schulstress ein. Deshalb lerne ich auch oft mit den beiden, wenn sie am Wochenende zuhause sind. Doch meistens muss ich selbst lernen.

 

In Spanien habe ich auch am Hof meiner Großeltern der väterlichen Seite ein Pferd namens Cabllero. Er ist tiefschwarz und hat vier weiße Fesseln. Ein Traum von Pferd und schnell wie der Wind. Auch in Ungarn habe ich ein Pferd, aber am Hof meiner Großmutter der mütterlichen Seite. Dieses Exemplar heißt Halál, was Tod bedeutet. Benannt wurde es nach dem 1998 dort aufgeführten Musical „Elisabeth“. Denn genau in diesem Jahr kam der hübsche Schimmel zur Welt.

 

Das ist eigentlich das Wichtigste, was man von mir wissen muss, den Rest wird man währen der Geschichte selbst erfahren…

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